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24.05.2019 | SynErgie

Energieflexible Papierherstellung

Visit-the-Best
Quelle: UPM

Visit-the-Best“, so nennt SynErgie die Möglichkeit für Projektpartner, an konkreten Beispielen zu sehen, wie sich die Industrieprozesse in Zukunft flexibler gestalten lassen. Im Mai waren 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Papierhersteller UPM in Schongau zu Gast.

Die UPM GmbH ist einer der Industriepartner des  Kopernikus-Projekts SynErgie. Das Ziel von SynErgie und UPM ist es, die Energieflexibilität bei der Papierherstellung zu erhöhen. Werksleiter Wolfgang Ohnesorg fasst zusammen: „Die Papierherstellung gehört zu den energieintensiven Branchen in Europa. Daher wollen wir mit der Bereitstellung von Flexibilität unseren Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten.”

Mit über 105 Kilometern pro Stunde verlässt die sechs Meter breite Papierbahn die Papiermaschine. Bis das Papier mit dieser rasenden Geschwindigkeit aus den knapp 100 Meter langen Papiermaschinen rollt, müssen Altpapier und Hackschnitzel aus Frischholz mittels energieintensiver Prozesse vorbereitet werden. Altpapier und Hackschnitzel werden als Halbstoffe bezeichnet. Zusammen mit Wasser und Hilfsstoffen werden sie anschließend zu Papiermasse aufbereitet. Endprodukte des Schongauer Werks sind Zeitungsdruckpapiere und ungestrichene Spezialpapiere. Diese werden für den Druck von Zeitungen, Direktwerbung, Fernseh- und Radiozeitschriften, Katalogen sowie Magazinen verwendet.

Das Altpapierlager in Schongau ist riesig. Es fasst rund 8.000 Tonnen loses Altpapier, das von Radladern in die Aufbereitungsanlage gegeben wird. Dort wird das Altpapier in etwa 30 Meter langen rotierenden Trommeln zerfasert, um den Halbstoff für die Papiermaschinen bereitzustellen. Die Besucherinnen und Besucher konnten durch Fenster beobachten, wie die Druckfarben in sieben hintereinander geschalteten Zellen entfernt werden. Außerdem werden jährlich etwa 125.000 Tonnen Hackschnitzel angeliefert. Diese werden in einem großen Mahlwerk mechanisch zu Holzstoff aufbereitet. Die Materialspeicher stellen einen Puffer für die Produktionsanlagen bereit. Das Mahlwerk bietet damit hohes Potenzial für eine energieflexible Fahrweise.

Die Wärme, die bei der Halbstoffherstellung entsteht, kann weiter genutzt werden. Sie wird an den Papiermaschinen in Form von Dampf zur Papiertrocknung verwendet. Der Rest der benötigten Dampfmenge kommt aus einem modernen Gas- und Dampfkraftwerk oder aus sogenannten gasbetriebenen Steamblocks. Auch das Kraftwerk bietet in Abhängigkeit von der benötigten Dampfmenge Flexibilität für die Systembalance. Professor Buhl von der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT wies auf die Bedeutung von intelligenter Informations- und Steuerungstechnik hin, die es ermöglicht, die Papierherstellung noch energieflexibler zu gestalten. UPM geht diesen Weg konsequent und verfolgt im Kopernikus-Projekt SynErgie das Ziel, seine Energieflexibilität zur erhöhen. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es ein spannender Rundgang durch die Produktion, der den Prozess der Papierherstellung und viele Aspekte der industriellen Energiebereitstellung und -nutzung veranschaulicht hat.

 

Weiterer Bericht aus der Reihe „Visit-the-Best

Vom Elektrolyseofen zur virtuellen Batterie, Besuch des Aluminiumherstellers TRIMET im August 2018

Ansprechpartner

Claudia Hein

0228/60884 271

c.hein@fz-juelich.de

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