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15.07.2019 | SynErgie

Vermarktungsoptionen flexibler Nachfrageprozesse im europäischen Vergleich

Demand Response in Europa
Demand Response in Europa
Quelle: SEDC 2017

Welche Voraussetzungen zur Vermarktung flexibler Nachfrageprozesse gibt es in Europa? Das Kopernikus-Projekt SynErgie kommt zum Ergebnis, dass Deutschland durch regulatorische Hemmnisse hier nur im Mittelfeld liegt.

Außerhalb Deutschlands erfährt die Vermarktung flexibler Nachfrageprozesse zunehmend mehr Aufmerksamkeit. So beschäftigen sich bereits seit einigen Jahren verschiedene Projekte und Initiativen auf europäischer und internationaler Ebene mit diesem Thema, beispielsweise der Verband smartEN – Smart Energy Europe oder die Internationale Energie Agentur mit ihrer Initiative IEA DSM Technology Collaboration Program.

Auf europäischer Ebene ist durch die 2012 beschlossene EU Energieeffizienz-Richtlinie vorgesehen, die Teilnahme von flexiblen Nachfrageprozessen am Großhandelsmarkt zu ermöglichen und die diskriminierungsfreie Behandlung bei Ausgleichs- und Hilfsleistungen zu gewährleisten. Die EU-Mitgliedsstaaten sollen sicherstellen, „dass die nationalen Energieregulierungsbehörden darauf hinwirken, dass nachfrageseitige Ressourcen, wie etwa die Laststeuerung (Demand Response), neben den Versorgern an den Großhandels- und Einzelhandelsmärkten teilnehmen.“ (Art. 15 Nr. 8 EED). In diesem Zusammenhang werden die EU-Mitgliedsstaaten aufgefordert, regulatorische Änderungen, u.a. hinsichtlich der Netzentgeltsystematik durchzuführen. Die Umsetzung der Richtlinie erfolgt auf nationaler Ebene und kann daher sehr unterschiedlich ausfallen, wie beispielsweise in einem Status-Bericht der gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2016 dargestellt wird.

Auch der Verband smartEN untersucht in Form eines Länderreports regelmäßig die Bedingungen und Entwicklungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Im Bericht „Explicit Demand Response in Europe – Mapping the Markets 2017“ wurden die Vermarktungsmöglichkeiten hinsichtlich der Bedingungen am Energy-Only-Markt, an den Märkten für Systemdienstleistungen, wenn vorhanden an Kapazitätsmärkten sowie die Bedingungen für unabhängige Aggregatoren und andere regulatorische Aspekte (bspw. Netzentgeltsystematik) umfassend analysiert. Positiv hervorgehoben werden Frankreich, Belgien, Großbritannien, Irland, Finnland und die Schweiz. In diesen Ländern seien ein hoher Grad der Marktöffnung für flexible Lasten sowie die Möglichkeit unabhängiger Aggregatoren gegeben. Länder, in denen die relevanten Märkte theoretisch bereits für die Teilnahme flexibler Lasten geöffnet wurden, diese aber nach wie vor durch regulatorische Hemmnisse eingeschränkt werden, seien laut Einordnung der Autoren Österreich, Dänemark, die Niederlande, Norwegen, Schweden sowie Deutschland. In diesen Ländern wurden jedoch Verbesserungsmaßnahmen eingeläutet, während in Slowenien und Polen derzeit keine Beseitigung der regulatorischen Hürden in Sicht sei. In Spanien, Portugal, Italien und Estland sei die Vermarktung von flexiblen Lasten derzeit gänzlich unmöglich.

Der Vergleich der Länder zeigt somit einerseits eine Vielfalt an Ausgestaltungsmöglichkeiten, aber andererseits auch ähnliche Hemmnisse. Es erweist sich in allen betrachteten Ländern als vorteilhaft, wenn Produktdefinitionen technologieoffen ausgestaltet werden und so ein gleichberechtigter Marktzugang geschaffen wird. Insbesondere die Reduktion der Mindestgebotsgrößen sowie Möglichkeiten der Aggregation spielen eine zentrale Rolle für die Teilnahme von flexiblen Lasten – Aspekte, die auch im „SynErgie-Positionspapier zu regulatorischen Änderungen“ hervorgehoben werden.

Ansprechpartner

Claudia Hein

0228/60884 271
c.hein@fz-juelich.de

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