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04.06.2019 | SynErgie

Notwendige regulatorische Änderungen für industrielle Stromnachfrageflexibilität

Quelle: SynErgie
Quelle: SynErgie

Die größte Herausforderung für die Nutzung von erneuerbarem Strom ist, dass die Stromerzeugung wetterabhängig schwankt. Die Industrie bietet ein gewichtiges und vergleichsweise kurzfristig erschließbares Potenzial, um diese Volatilität auszugleichen. Damit dieses Potenzial voll genutzt werden kann, müssen verschiedene Hemmnisse abgebaut und regulatorische Änderungen eingeführt werden. Lesen Sie mehr dazu im SynErgie Positionspapier.

Die klimaschutzpolitischen Grundsätze und Ziele der Bundesregierung sehen eine nahezu vollständige Dekarbonisierung der deutschen Energieversorgung bis zum Jahr 2050 vor. Bereits heute wird deshalb der bei weitem größte Anteil des Stroms aus erneuerbaren Erzeugungskapazitäten bezogen. Die aufgrund der Wetterabhängigkeit von Photovoltaik- und Windenergieanlagen resultierende Volatilität, d.h. kurz- bis mittelfristige Schwankungen, der Stromerzeugung ist eine der größten Herausforderungen der Energiewende. Ein gewichtiges und vergleichsweise kurzfristig erschließbares Potenzial, um diese Volatilität auszugleichen und das Stromnetz zu stabilisieren, bietet die industrielle Nachfrageflexibilität. Das Flexibilitätspotenzial des Stromverbrauchs der deutschen Industrie wird – aufgrund der sehr unterschiedlichen Definitionen – auf 1 GW bis zu 15 GW geschätzt. Um das sich bietende Potenzial industrieller Stromnachfrageflexibilität in den kommenden Jahrzehnten vollständig nutzen zu können, sind jedoch regulatorische Änderungen im Markt- und Stromsystem unabdingbar.

Industrielle Stromnachfrageflexibilität derzeit durch regulatorische Hemmnisse behindert

Beim Kopernikus-Projekt „Synchronisierte und energieadaptive Produktionstechnik zur flexiblen Ausrichtung von Industrieprozessen auf eine fluktuierende Energieversorgung” (SynErgie) haben sich unter der Leitung des Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) der TU Darmstadt und des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart zahlreiche Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Disziplinen und produzierenden Branchen zusammengefunden. In Einklang mit rechtlichen und sozialen Aspekten wurden alle technischen und marktseitigen Voraussetzungen erarbeitet, um den Strombedarf der deutschen Industrie maßgeblich mit dem volatilen Stromangebot zu synchronisieren. Ein entscheidender Baustein hierfür ist die Identifikation von Hemmnissen für industrielle Stromnachfrageflexibilität und die Erarbeitung notwendiger und gangbarer regulatorischer Änderungen, die im vorliegenden Positionspapier detailliert dargestellt werden.

Anreize für Unternehmen müssen verbessert werden

„Zur Überwindung dieser Hemmnisse bedarf es zukünftig insbesondere weiterer Anreize, den Stromverbrauch zu passenden Zeitpunkten zu reduzieren und zu anderen Zeitpunkten zu erhöhen”, erläutert Hans Ulrich Buhl vom Kernkompetenzzentrum Finanz- & Informationsmanagement und der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT, der die Erstellung des Positionspapiers maßgeblich geleitet hat. Aktuell bieten die Strommärkte für ein solches netz- und/oder systemdienliches Verhalten nur für wenige energieintensive Unternehmen gewisse, teils widersprüchliche Anreize. Kurz- und mittelfristig ist es deshalb notwendig, dass eine sinnvolle Flexibilitätsbereitstellung nicht durch Begrenzungstatbestände verhindert wird. Des Weiteren sind die Möglichkeiten der Flexibilitätsbereitstellung zu verbessern, um das Angebot der industriellen Stromnachfrageflexibilität zu erhöhen. Langfristig ist es notwendig, unter Beachtung der komplexen Wirkzusammenhänge im Stromsystem, das Flexibilitätsangebot durch weitreichende Befähigung produzierender Industrieunternehmen zur Flexibilitätsbereitstellung unabhängig von ihrer Energieintensivität oder Größe zu erweitern.

Wichtige Bedeutung regulatorischer Änderungen über die Industrie hinaus

Die regulatorischen Änderungen zur Schaffung von Anreizen sind dabei auch über die Industrie hinaus von großer Bedeutung für das Gelingen der Energiewende. „Nicht nur die Industrie profitiert von der Netzstabilisierung durch industrielle Stromnachfrageflexibilität”, erläutert Professor Alexander Sauer, Leiter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart, „sondern alle Stromverbraucher – durch eine stabile Versorgung und günstige Strompreise”.

Zugleich existieren Wechselwirkungen zwischen der industriellen Stromnachfrageflexibilität sowie der Speicherung erneuerbarer Energie (Kopernikus-Projekt P2X), der Entwicklung von zukünftigen Stromnetzen (Kopernikus-Projekt ENSURE) und der gesamtsystemischen Betrachtung (Kopernikus-Projekt ENavi). Das vorliegende Positionspapier wurde deshalb mit allen Kopernikus-Schwesterprojekten abgestimmt. „Für die Umsetzung der vorgeschlagenen regulatorischen Änderungen ist es wichtig, dass diese nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Einklang mit den Arbeiten der Kopernikus-Schwesterprojekte stehen”, informiert Eberhard Abele, Sprecher des Projekts SynErgie und Leiter des Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) der TU Darmstadt.

Stakeholder stehen hinter industrieller Stromnachfrageflexibilität

Die Modellregion Augsburg erlaubt es, technische, ökologische, ökonomische und soziale Fragestellungen zur industriellen Stromnachfrageflexibilität miteinander zu verknüpfen und transdisziplinär zu evaluieren. Im Rahmen eines Stakeholder-Dialogs am 18. September 2018 wurden über 60 Stakeholder aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zur Rolle der energieflexiblen Fabrik befragt. „Die aktive Teilnahme von über 60 Teilnehmern verschiedenster Disziplinen und die Ergebnisse des transdisziplinären Diskurses zeigen, dass energieflexible Industrieprozesse im Interesse der Stakeholder liegen”, führt Gunther Reinhart aus, Leiter der Modellregion Augsburg und der Fraunhofer-Einrichtung für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV. Die Ergebnisse des Stakeholder-Dialogs in der Modellregion Augsburg wurden im Papier „Energieflexible Fabriken für eine erfolgreiche Energiewende“ zusammengefasst. Es enthält Thesen zur energieflexiblen Fabrik sowie die Fragestellungen und Meinungen der Stakeholder.

Bezug des Positionspapiers und Kontakt

Zum „Positionspapier zu regulatorischen Änderungen“

Das Papier zum Stakeholder-Dialog in der Modellregion Augsburg „Energieflexible Fabriken für eine erfolgreiche Energiewende“ können Sie hier lesen.

Für Rückfragen und Diskussion steht Ihnen gemeinsam mit den Autoren der beiden Papiere die Koordinierungsstelle des Kopernikus-Projekts SynErgie gerne zur Verfügung. Sie erreichen die Koordinierungsstelle per E-Mail an kopernikus-synergie@eep.uni-stuttgart.de oder telefonisch unter +49 711 970-1241.

Ansprechpartner

Claudia Hein

0228/60884 271
c.hein@fz-juelich.de

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