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08.03.2019 | ENavi

Vom Auto aufs Lastenrad umsteigen

Lastenräder bieten stabile Straßenlage und hohes Fassungsvermögen.
Lastenräder können als Alternative zum Auto genutzt werden.
Quelle: IASS; Clemens Rudolf

Lastenräder sind als Transportmittel beliebt, jedoch teurer als normale Fahrräder. Lastenrad-Sharing sorgt für eine hohe Verfügbarkeit mit geringen Investitionen. Die Nachfrage steigt. Das ehemalige Nischenprodukt entwickelt sich zu einer nachgefragten Alternative zum Auto.

Längst gehören Lastenräder zum Stadtbild. Sie werden als Kindertaxi oder Kleintransporter mehr oder weniger regelmäßig, meist als zusätzliches Rad, genutzt. Da sich nicht alle Radfahrerinnen und Radfahrer ein eigenes Lastenrad kaufen wollen, setzen sich Leihsysteme für Lastenräder, das sogenannte Cargo-Bikesharing, durch. Die ENavi-Forscherin Dr. Sophia Becker vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) hat mit Clemens Rudolf, Lastenrad Stuttgart, untersucht, wie die Leihsysteme in Deutschland, Österreich und der Schweiz funktionieren. Die Anbieter experimentieren mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Die zahlreichen gemeinwohlorientierten Initiativen verleihen Lastenräder kostenlos an alle interessierten Nutzer. Profitorientierte Unternehmen berechnen eine Jahresgebühr, eine Leihgebühr nach Nutzungsdauer oder eine freiwillige Abgabe. Einige Unternehmen bieten das Lastenrad als Werbeträger an. Forschungsorientierte Vorhaben, zum Beispiel TINK, werden durch öffentliche Gelder unterstützt. Hamburg und Stuttgart, zwei deutsche Städte, die unter hoher Luftverschmutzung leiden, setzen sich ausdrücklich dafür ein, dass Lastenräder in herkömmliche Bikesharing-Flotten integriert werden. Sie haben Lastenräder in ihre neueste Ausschreibung für Bikesharing-Services aufgenommen.

Die Organisation der Lastenradverleiher reicht von stationärem Verleih bis zu komplett digitaler Anwendung. Cafés, Einkaufsläden oder öffentliche Institutionen dienen als Anlaufstellen, an denen die Lastenräder mit einer kurzen Bedienungsanleitung persönlich übergeben werden und wohin sie nach der Nutzung zurückgebracht werden. Digitale Smartkey-Technologie kombiniert das Ausleihen, Bezahlen und Öffnen bzw. Verschließen direkt an den Docking-Stationen.

Lastenräder gibt es als Drei- und Zweiräder oder als Anhänger. Die Zweiräder sind wendiger im Verkehr, die Lastenradler ziehen am Stau vorbei. Die Dreiräder und Anhänger fahren stabiler und können schwerer beladen werden. Alle Modelle werden zunehmend zusätzlich mit Elektroantrieb ausgerüstet.

Die vielfältige Ausstattung der Lastenräder, der vereinfachte Zugang und die gestiegene Verfügbarkeit durch den Lastenradverleih erhöhen die Nachfrage. In ihrer Studie „Der Status Quo des Cargo-Bikesharing in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ geben die Forschenden einen Überblick über die vielfältigen Angebote.

In der Studie „Das Potenzial von freiem Lastenrad-Sharing für nachhaltige Mobilität“ zeigen Sophia Becker und Clemens Rudolf, dass der Umstieg vom Pkw auf emissionsneutrale Lastenräder insbesondere in Städten die Entwicklung nachhaltiger Verkehrssysteme unterstützt. In Deutschland und Österreich ist ein Netzwerk von über 60 Lastenradverleihern mit 9.750 registrierten Nutzern entstanden. Bei einer Umfrage unter den Nutzern gaben 46 Prozent der Befragten an, dass sie ohne das Lastenrad-Sharing ein Auto für den Transport genutzt hätten. Dies zeigt, dass die Verleihsysteme erheblich zur Durchsetzung der Lastenräder beitragen und die Umwelt signifikant entlasten. Politische Entscheidungsträger in Städten und Kommunen können Lasträder unterstützen, indem sie in bestehende Bikesharing-Systeme zusätzliche Lastenräder integrieren und lokale Bürgerinitiativen fördern.

Ansprechpartner

Carola Sonnet

0228/60884 212
c.sonnet@fz-juelich.de

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