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11.09.2018 | ENSURE

Die Energiewende in Unterfranken

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Quelle: Schleswig Holstein Netz AG

Der Landkreis Schweinfurt in Unterfranken ist stark von der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien abhängig. Bereits heute erzeugen über 5.400 Photovoltaikanlagen einen Großteil der benötigten Energien für die Region. Die RWTH Aachen hat nun zwei Studien veröffentlicht, in denen sie die größten Interessenkonflikte bei der Energiewende in der Region untersucht hat.

Die Bürgergemeinschaften haben einen entscheidenden Einfluss auf die Stromversorgung in und um Schweinfurt. Sie gehörten zu den Ersten, die Wind- und Solaranlagen gebaut und politische Impulse für die Energiewende vor Ort gesetzt haben. In den letzten Jahren zeichnet sich jedoch ein neuer Trend ab: Lokale Bevölkerungsgruppen werden durch größere Investoren vom Markt verdrängt. Die eine der beiden empirischen Feldstudien untersucht nun genauer das Anpassungsverhalten der regionalen Energieerzeuger. Dr. Ray Galvin ist Forschungs- und Lehrbeauftragter am Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior (FCN) an der RWTH Aachen. Neben einer intensiven Literaturrecherche hat er zwölf Interviews mit verschiedenen Akteuren aus der Region geführt: Vorreiter von Windpark-Kooperativen, örtlichen Fach- und Führungskräften sowie Beratern bei der Entwicklung Erneuerbarer-Energien-Projekte und öffentlichen Gegnern des Stromnetzausbaus. Dabei achtete er darauf, möglichst verschiedene Interessenstandpunkte zu integrieren. Die Ergebnisse hat er in einem Aufsatz veröffentlicht: ‘Them and us‘: Regional-national power-plays in the German energy transformation: A case study in Lower Franconia (hier weiterlesen).

Die Region Unterfranken ist zudem Teil eines überregionalen Großbauprojekts, der sogenannten Südlink (hier weiterlesen).

So nennt sich eine der Stromtrassen, die schon bald Strom von der Nordsee bis nach Bayern bringen soll. Ziel ist eine bessere Anbindung der Regionen an das Stromnetz. Das Ende der SuedLink wird dabei im Landkreis Schweinfurt liegen und vier Gigawatt Strom zusätzlich aus Norddeutschland liefern. Dieses Projekt wird weitreichende Folgen auf die lokale Wirtschaft haben. Einige Bürger machen sich deshalb Sorgen. In einer zweiten Studie hat die RWTH deshalb die Akzeptanz von SuedLink genauer untersucht: Trouble at the end of the line: Local activism and social acceptance in low-carbon electricity transmission in Lower Franconia, Germany (hier weiterlesen).

Beide Studien kamen zu deutlichen Ergebnissen: Der Großteil der lokalen Stromerzeuger ist um die Wirtschaftlichkeit ihrer Projekte besorgt. Als Hauptursachen werden unter anderem regulatorische Rahmenbedingungen, zunehmende wirtschaftliche Liberalisierung und zukünftige Auswirkungen von SuedLink auf den lokalen Strommarkt gesehen. Denn das aus Norddeutschland übertragene Stromangebot könnte nach Befürchtungen der Stakeholder vor Ort mit lokal erzeugtem Strom konkurrieren.

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