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22.06.2018 | ENavi

Ideen für die Zukunft der Stromverteilnetze

Quelle: TU Berlin
von links: Peter Frank (Agora Energiewende), Moderator Simon Schäfer-Stradowsky, Ralph Lenkert (DIE LINKE) und Dr. Ingrid Nestle (B90/ Grüne)
Quelle: TU Berlin

Elektroautos und Wärmepumpen verbrauchen viel Strom. Wenn künftig mehr Elektroautos geladen und mehr Wärmepumpen betrieben werden, stellt das unser Stromnetz vor Herausforderungen. Wie diese technisch gelöst werden können und welche institutionellen Bedingungen dafür geschaffen werden müssen, wurde auf einer von den ENavi-Partnern organisierten Tagung in Berlin diskutiert.

Am 07. Juni 2018 diskutierten rund 120 Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Unternehmen sowie aus der Wissenschaft die technischen Entwicklungsoptionen und institutionellen Herausforderungen der Stromverteilnetze durch die Zunahme von Elektromobilität und Wärmepumpen. Eingeladen hatten das Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) der TU Berlin, das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) und die beiden Initiativen Agora Energiewende und Agora Verkehrswende der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation.

Welche Auswirkungen haben mehr Elektroautos und Wärmepumpen auf die Verteilernetze? Werden dadurch mehr Kapazitäten der Netze benötigt? Müssen dafür die Verteilernetze ausgebaut werden? Bei der Analyse der technisch-systemischen Folgen von mehr Elektromobilität und Wärmepumpen standen diese Fragen im Mittelpunkt und wurden diskutiert. Es wurde auch beleuchtet, wann es temporär zulässig sein kann, dass das Stromnetz nicht die gesamte geforderte Leistung an Strom transportiert und wie wichtig hier Mechanismen zur Identifizierung von Netzkapazitäten für die Stromverteilernetzbetreiber sind.

Neben technisch-systemischen Herausforderungen spielen bei der Betrachtung der Stromverteilernetze vor allem die institutionellen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Diese müssen ebenfalls in die Überlegungen miteinbezogen werden, um bestmögliche Lösungen zu finden. Es wurden verschiedene Ansätze zur Weiterentwicklung der institutionellen Rahmenbedingungen vorgestellt und diskutiert. Im Fokus standen dabei vor allem Fragen zur Ausgestaltung eines Mechanismus für den Umgang mit knappen Verteilnetzkapazitäten. Prof. Thorsten Beckers wies zusätzlich auf die Abwägungsentscheidung zwischen Kapazitätsallokation und Verteilnetzausbau und die damit einhergehenden Herausforderungen im Bereich der (Anreiz-)Regulierung der Stromverteilnetzbetreiber hin. Er stellte auch verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für Kapazitätsallokationsmechanismen dar und illustrierte an einem Modellvorschlag, welche Vor- und Nachteile hinsichtlich Transaktionskosten und Verlässlichkeit für Nutzer sowie Daten- und Koordinationsaufwand auf Seiten der Anbieter mit den verschiedenen Gestaltungsoptionen verbunden sind. Anschließend zeigte Simon Schäfer-Stradowsky in seinem Impulsvortrag den institutionellen Status quo auf. Bei den vorgestellten Modellvorschlägen sieht er noch mögliche Probleme in der Umsetzung, da auch fundamentale Regulierungsgrundsätze adressiert werden müssten (bspw. unterschiedliche Verfügbarkeitsniveaus für verschiedene Nachfrageklassen und im Hinblick auf starke Lastzunahme robustere Planungsgrundsätze bei der Verteilnetzkapazitätsauslegung).

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Simon Schäfer-Stradowsky, konnten die herausgearbeiteten Ergebnisse und Handlungsempfehlungen der Tagung mit den Bundestagsabgeordneten Ralph Lenkert (DIE LINKE) und Dr. Ingrid Nestle (B90/ Grüne) sowie mit dem Stellvertretender Direktor bei Agora Energiewende, Peter Frank, breit diskutiert werden. Dabei wurden die diskutierten Themen auch in den Kontext der Transformation des gesamten Energiesystems gesetzt.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Thorsten Beckers (tb@wip.tu-berlin.de, Tel.-Nr. 030-314-23243), Nils Bieschke (nb@wip.tu-berlin.de, Tel.-Nr. 030-314-78506)

Zu den Foliensätze der Vorträge und zur Internetseite der Tagung

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