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28.06.2019 | ENavi

Nachhaltige Mobilitätskonzepte

Quelle: FONA/photothek
Quelle: FONA/photothek

Bis 2050 soll Deutschland emissionsfrei sein und Energie nur aus regenerativen Quellen schöpfen. Die Energiewende braucht dafür auch die Wende im Verkehr. Doch trotz der Prämie für Elektroautos liegt die Zahl von momentan rund 83.000 Fahrzeugen noch weit unter dem Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektroautos bis 2020. Warum verbreitet sich die Technologie so langsam? Welche Barrieren verhindern den Umstieg auf elektrische Antriebe?

Für private Haushalte hat die Forschung darauf bereits Antworten gefunden. Oftmals unterschätzen Privatpersonen zum Beispiel die Reichweite der Autos und scheuen die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten beim Neukauf. Aber teilen auch Organisationen diese Bedenken?

Umweltpsychologinnen und Psychologen der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg haben in einer deutschlandweiten Befragung untersucht, unter welchen Bedingungen Organisationen sich für Elektromobilität entscheiden. Zunächst wurde anhand typischer Fahrprofile geprüft, für welche Branchen E-Autos grundsätzlich infrage kommen. Als geeignet zeigten sich unter anderem Lieferdienste wie Apotheken- oder Kurierdienste und mobile ambulante Pflegedienste. Im ersten Schritt wurden in Interviews wissenschaftliche Experten, Unternehmen und Berufsverbände für Pflegeberufe befragt, welche Mobilitätsthemen sie derzeit bewegen. Es zeigte sich, dass insbesondere Parkplatzmangel in Städten den Alltag der Beschäftigten erschwert. Wenn möglich, wird bereits für einige Arbeitswege in der Stadt häufig kein Auto genutzt. Stattdessen geht das Pflegepersonal zu Fuß oder fährt Fahrrad, zumal nur wenig Material transportiert werden muss. So stellt sich die Frage, wie neben dem Umstieg auf Autos mit emissionsarmen Antrieb auch die Verbreitung anderer Mobilitätsformen, wie Elektrofahrräder, umsetzbar ist.

Verbesserte Parkmöglichkeiten erleichtern den Mobilitätsalltag

In einer deutschlandweiten Befragung mit 100 Entscheidungsträgern von Pflegediensten zeigte sich, dass Unternehmen vor allem dann bereit sind, Elektroautos anzuschaffen, wenn hierfür zusätzlicher Parkraum zur Verfügung gestellt werden würde. Weniger wichtig für die Kaufentscheidung war die Reichweite der Elektroautos. Diese wurde häufig als weitgehend hinreichend eingeschätzt. Bei den finanziellen Rahmenbedingungen wären aus Sicht der Branche weitere Zuschüsse wünschenswert – wie etwa die Sonderprämie für Elektrofahrzeuge in gewerblichen Flotten in Baden-Württemberg.

Elektrokleinfahrzeuge wie Elektrofahrrad oder Elektroroller wurden in dieser Befragung als wenig nutzbar bewertet, aufgrund der teilweise schlechten Witterungsverhältnisse und kurzen Reichweite. Etwa jeder fünfte Pflegedienst wäre allerdings schon jetzt bereit, diese als Alternative für den Fuhrpark zu nutzen. Als Vorteile werden die geringen Kosten und die einfachen Parkmöglichkeiten geschätzt.

Rückhalt der Belegschaft und Technologiekenntnisse erleichtern die Umstellung

Einen großen Einfluss auf die Kaufentscheidung hat die Meinung der Belegschaft. Nehmen Entscheider eine starke Befürwortung für Elektromobilität wahr, so entscheiden sie sich eher für den Neukauf eines Elektroautos.

Generell besteht ein großer Wunsch nach mehr Informationen. 87% der Befragten wünschen Informationen zu Anschaffungs- und Betriebskosten, und rund 65% Informationen über die technologischen Möglichkeiten und Förderprogramme. Informationskampagnen und Praxisleitfäden sollten ausreichendes Wissen zur Elektromobilität vermitteln und verfügbar machen.

Die Ergebnisse haben die Umweltpsychologinnen und Psychologen Annalena Becker, Sebastian Bobeth und Ingo Kastner von der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg erarbeitet. Sie sind Teil des Arbeitspaket 6 „Verhalten im Wandel von Werten und Lebensstilen“ im Kopernikus-Projekt ENavi unter der Leitung von Ellen Matthies.

Ansprechpartner

Claudia Hein

0228/60884 271

c.hein@fz-juelich.de

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