„Die Energiewende ist nicht nur eine Frage der Technik“

Interview mit Caroline Gebauer, BUND

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND e.V.) vertritt die Interessen der Zivilgesellschaft im Kopernikus-Projekt P2X. Caroline Gebauer erklärt im Interview, warum gerade bei technischen Forschungsprojekten die Zivilgesellschaft von Anfang an mit eingebunden werden muss.

Frau Gebauer, was bedeutet Power-to-X?

Es bedeutet die Umwandlung von erneuerbarem Strom in einen anderen Energieträger, etwa synthetisches Gas wie Wasserstoff oder Treibstoffe für den Verkehr. In einer treibhausgasneutralen Welt kann dies wichtig werden als eine Speicheroption zum Ausgleich der fluktuierenden erneuerbaren Energien, aber auch für Bereiche wo derzeit noch keine direkten elektrischen Lösungen bestehen, wie z.B. den Flugverkehr.

P2X ist ein sehr technisches Projekt. Wieso muss hier auch die Zivilgesellschaft vertreten werden?

Der BUND setzt sich für eine ambitionierte Energiewende ein. Die Strategien und Methoden, die dazu erforscht werden, sollten sich nach der Praxis ausrichten, denn neue technologische Entwicklungen haben auch immer gesellschaftliche Implikationen. Die Energiewende ist nicht nur eine Frage des technisch möglichen, sie ist vor allem auch ein gesellschaftlicher Wandel im Umgang mit Energie. Daher denken wir, dass es bei technologischen Neuerungen wie Power-to-X essentiell ist, dass eine transparente Kommunikation stattfindet und die Öffentlichkeit einbezogen wird.

Welche Aufgabe hat die Zivilgesellschaft?

Uns ist es wichtig, dass die Zivilgesellschaft stärker in die Forschung eingebunden wird und der Wissenschaft ihre Sichtweise darstellen kann. Die Erforschung von neuen Technologien ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende. Es sollte jedoch von Beginn an darüber nachgedacht werden, wie und wo diese Technologien eingesetzt werden, so dass nicht nur der höchstmögliche wirtschaftliche, sondern der gesamtgesellschaftliche Nutzen sowie die Vorteile für Klima und Umwelt im Vordergrund stehen.

Was heißt das ganz konkret für das P2X-Projekt?

Uns ist es wichtig, frühzeitig darüber nachzudenken, in welcher Weise und mit welchem Nutzen die Technologien betrieben werden. Power-to-X darf kein Freifahrtschein für ein „Weiter wie bisher“ sein. Neben den technischen Anforderungen gilt es somit auch herauszufinden, wie die Technologien am klimadienlichsten eingesetzt werden können. Zudem wollen wir die gesellschaftliche Frage der Akzeptanz von Beginn an mitdenken.

Wie geht das?

Akzeptanz ist tendenziell eher ein schwammiges Konstrukt. Wir haben uns deshalb Input von Umweltpsychologen vom Institut für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme geholt. Fragen, die dabei aus unserer Sicht eine Rolle spielen, sind: Wo stehen die Power-to-X-Anlagen und wie wird die Bevölkerung vor Ort davon betroffen sein? Können nur Industrieunternehmen oder auch z.B. die Bürger selbst solche Anlagen betreiben? Und wie kann eine gesellschaftliche Offenheit für technologische Neuerungen bemessen werden? Akzeptanz kann man nicht anhand eines Faktors erfassen. Es sind immer sehr viele unterschiedliche Faktoren, die dabei eine Rolle spielen.

Was wollen Sie mit Ihrer Mitarbeit im P2X bewirken?

Dass die Wissenschaftler immer die konkrete Umsetzung in der Praxis mitdenken, wenn sie neue Methoden für die Energiewende entwickeln. Deshalb fordern wir bereits seit längerem mehr Transparenz und Teilhabe der Zivilgesellschaft in der Forschung. Nur so können wir ein Gleichgewicht zwischen Forschung, Industrie und Zivilgesellschaft für die Energiewende schaffen, von dem wir alle profitieren.

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