Wissenschaft & Praxis im Dialog
Quelle: Pierro Chiussi, IASS
Das Team des Arbeitspakets 12 beim 2. ENavi-Konsortialtreffen in Berlin. Quelle: Pierro Chiussi, IASS
Arbeitspaket 12

Wie kann man die Energiwende ökologisch, ökonomisch und sozial gerecht gestalten?

ENavi will robustes Wissen für die Energiewende bereitstellen. Sie soll menschlich gestaltet sein. Das bedeutet, dass die ENavi-Forscher verschiedene Pfade zur Umsetzung der Energiewende entwickeln, damit sie ökologisch verträglich, wirtschaftlich tragfähig und sozial gerecht gestaltet wird.

Nur wenn Wissenschaftler und Praktiker zusammenarbeiten, können sie gemeinsam dieses Ziel erreichen. Deshalb ist der Dialog zwischen ihnen ein wesentliches Merkmal von ENavi. Die Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende entstehen im Dialog zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik (transdisziplinärer Diskurs). 

Die Energiewende gelingt nur, wenn die Auseinandersetzung über Fragen der ökologischen Ausgestaltung und der ökonomischen Machbarkeit mit einem Ringen über die soziale Gerechtigkeit einhergeht.

Prof. Bernd Heins († Januar 2018), INEP Institut Oldenburg

Wissenschaftliche Analysen mit politischen und gesellschaftlichen Anforderungen verknüpfen

Das Arbeitspaket 12 fördert und gestaltet die Umsetzung des transdisziplinären Ansatzes von ENavi. Dafür bauen die Forscherinnen und Forscher Infrastrukturen für Dialog und Interaktionen auf.  Sie entwickeln Instrumente, die das bestehende Wissen aus Forschung und Praxis verbinden können und den Austausch der ENavi-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik sichern. 

Konkret verfolgt Arbeitspaket 12 bei der Umsetzung des transdisziplinären Ansatzes von ENavi diese Ziele:

  • Anregungen, Vorstellungen und Anfragen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft einzuholen und durch eine weitere Ausgestaltung des ENavi-Forschungsprogramms in das Projekt zu integrieren;
  • Projektergebnisse mit Vertreterinnen und Vertretern aus diesen Bereichen diskutieren und kritisch reflektieren, vor allem im Hinblick auf die Entwicklung, Bewertung und Umsetzung von Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende. Hier geht es insbesondere um das so genannte Transformationswissen („Wie kommen wir vom Ist- zum Soll-Zustand?“) und ihr  Ziel- und Orientierungswissen („Wo bestehen wichtige Zielkonflikte und wie können diese gelöst oder gemindert werden?“)
  • den transdisziplinären Ansatz von ENavi auf Basis eines konzeptionellen und methodischen Rahmens für Transdisziplinarität zu analysieren, zu begleiten und im Rahmen einer projektinternen Evaluierung zu stärken.

Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik beteiligen sich als Praxispartner an ENavi. Sie bringen ihr Expertenwissen für die Transformation des Energiesektors und die damit verbundenen gesamtgesellschaftlichen Veränderungen in das Projekt ein:

  • als Mitglieder von Kompetenzteams zu zentralen Handlungsfeldern der Energieversorgung (Infrastruktur und Netze, Mobilität, Wärme). Die Mitglieder der Kompetenzteams kommen überwiegend aus wirtschaftsnahen Bereichen. Darüber hinaus umfasst jedes Kompetenzteam mindestens eine zivilgesellschaftliche Organisation, sowie mindestens eine Vertreterin oder einen Vertreter aus den drei anderen Kopernikus-Projekten (ENSURE, P2X, SynErgie);
  • als Mitglieder der Betriebsräte-Plattform. Die Plattform ist mit Betriebsräten und Arbeitsdirektoren aus den Bereichen Stromwirtschaft, Wärme und Mobilität besetzt. Arbeitnehmervertretern kommt aufgrund ihrer direkten Betroffenheit von Transformationsprozessen in den Unternehmen besondere Bedeutung zu. Sie entscheiden über die Implementierungen in Unternehmen mit und sitzen deshalb an einer zentralen operativen Schnittstelle.
  • als Mitglieder eines Diskursbeirats. Der Diskursbeirat unterstützt ENavi darin, geeignete Transferstrategien für die Vermittlung von Forschungsergebnissen in die aktuelle Energiepolitik zu entwickeln. Der Beirat setzt sich aus Akteuren aus der Politik (z.B. Europäisches Parlament, Bundestag) zusammen;
  • als Akteure in Reallaboren und Modellregionen, in denen Energiewende-Maßnahmen erprobt werden. Sie sorgen zusammen mit den Kompetenzteams, dafür dass die Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende, die in ENavi erarbeitet werden, praxisrelevant sind (Die Reallabore und Modellregionen sind in ENavi in Arbeitspaket 13 angesiedelt); 
  • als Teilnehmer an verschiedenen Multi-Stakeholder-Veranstaltungen
  • als Mitglieder des Projekts (Wirtschaft und Zivilgesellschaft).

An diesen Stellen tauschen sich Praktiker und Wissenschaftler in ENavi aus:

  • Sie entwickeln die Forschungsthemen und -fragen von ENavi weiter und konkretisieren sie (Co-Design). Dafür holen die ENavi-Forschenden Impulse aus den Kompetenzteams und weiteren Akteuren der Zivilgesellschaft, der Politik sowie von Betriebsräten und Unternehmensvorständen ein.
  • Sie bewerten die Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende auf verschiedenen Ebenen. Hier geht es darum, von den Kompetenzteams und weiteren Stakeholdern Input zu erhalten, wie praxistauglich die vorgeschlagenen Maßnahmen sind und welche Konflikte es zwischen den unterschiedlichen Zielen gibt.
  • Sie entwickeln und erproben digitale, simulationsbasierte Instrumente. Diese Stakeholder Empowerment Tools sollen Akteure in Modellregionen und Reallaboren dabei unterstützen, in der eigenen Region oder der eigenen Kommune Energiefragen zu bearbeiten und zu diskutieren.

Task 1: Das Arbeitspaket koordinieren

Die Forschenden stimmen sich mit den anderen ENavi-Arbeitspaketen ab, tauschen sich mit den drei anderen Kopernikus-Projekten aus und verbreiten die Ergebnisse des Arbeitspakets 12.

Task 2: Einen Dialograhmen entwickeln

Gemeinsam mit Projekt- und Praxispartnern entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Dialograhmen, damit sie das Praxis- und Erfahrungswissen in ENavi integrieren können. Dazu gehört eien ENavi-Arbeitsgruppe „Transdisziplinärer Diskurs“ und der Diskursbeirat mit Akteuren aus Politik und Verwaltung; die Identifizierung relevanter Stakeholder für die Kompetenzteams und Stakeholderdialoge; die Identifizierung und Entwicklung geeigneter Dialog-, Interaktions- und Reflexionsformate.

Task 3: Das Schnittstellenmanagement unterstützen

Diese Aufgabe besteht darin, die Projektkoordination beim Management der inhaltlichen Schnittstellen zwischen den Arbeitspaketen mit besonderer Berücksichtigung der Reallabore und Modellregionen über geeignete Dialog- und Interaktionsformate (offene Dialogformate oder strukturierte Dialogformate wie z.B. das Gruppen-Delphi) zu unterstützen und entwickelte Wissensbestände in den Diskurs auf Gesamtprojekt-Ebene zu bringen.

Task 4: Kompetenzteams

Diese Aufgabe umfasst die Konzeption und die Etablierung der Kompetenzteams (es wurden Kompetenzteams zu drei zentralen Handlungsbereichen der Energieversorgung gebildet: „Infrastruktur/Netze“, „Mobilität“ und „Wärme“) und der Betriebsräteplattform sowie die Konzeption, Organisation und Aufbereitung der Treffen dieser Foren, und die Vermittlung der Ergebnisse in das Gesamtprojekt.

Task 5: Forschungsfragen gemeinsam aufsetzen (kooperatives Agenda-Setting)

Diese Aufgabe beinhaltet die Identifizierung von Forschungsaspekten und Forschungsfragen zur Transformation des Energiesystems (z.B. Welche Interventionen sollten mit dem Navigationssystem auf ihre Wirkungen hin erforscht werden?) im Austausch zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik (einschließlich der Kompetenzteams und Betriebsräteplattform). Die Interviews, Gruppendiskussionen und ein Runder Tisch sollen die ENavi-Forschungsfragen weiterentwickeln und spezifizieren.

Task 6: Bewertung von Handlungsoptionen

In enger Zusammenarbeit mit Arbeitspaket 1 und Arbeitspaket 11 organisieren die Forschenden in Task 6 Multi-Stakeholder-Dialoge, um einzelne oder wenige gebündelte Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende zu bewerten. Die Bewertungsprofile aus Arbeitspaket 11 diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft (einschließlich der Kompetenzteams und Betriebsräteplattform): Wie lassen sich Zielkonflikte auflösen, Prioritäten setzen und  welche Möglichkeiten der Umsetzung gibt es?

Task 7: Stakeholder Empowerment Tools

Hier werden digitale, simulationsbasierte Instrumente (stakeholder empowerment tools) entwickelt. Sie sollen Akteure in Reallaboren und Modellregionen dabei unterstützen, in der eigenen Kommune oder der eigenen Region Energiefragenzu bearbeiten und zu diskutieren.

Task 8: Begleitforschung und Evaluierung transdisziplinärer Prozesse

Diese Aufgabe besteht in einer projektinternen dialoggestützten Begleitforschung und Prozess-Evaluierung. Sie umfasst zum einen die Begleitung und Beratung für die in Arbeitspaket 12 zu erfüllenden Aufgaben und zum anderen die Analyse, Evaluierung und Bewertung des transdisziplinären Gesamtkonzepts von ENavi.

Dr. Marion Dreyer

Dialogik gemeinnützige Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung GmbH (Dialogik), +49 (0)711 3585 2164, dreyer@dialogik-expert.de

  • Leiterin Arbeitspaket 12 Wissenschaft und Praxis im Dialog

Dr. Piet Sellke

Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), Dialogik gemeinnützige Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung GmbH (Dialogik), +49 (0)176 22846463, sellke@dialogik-expert.de

Dr. Steffi Ober

Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende, +49 30 2849841612, steffi.ober@NABU.de

  • Leiterin Arbeitspaket 12 Wissenschaft und Praxis im Dialog, Vertretung zivilgesellschaftliche Gruppen

Wissenschaft und Praxis gemeinsam für die Energiewende

Das Forscherteam beschreibt in diesem Aufsatz den transdisziplinären Ansatz von ENavi

Zum Artikel

Impulse aus den ENavi-Kompetenzteams

Berichte des ersten Treffens des Kompetenzteams.

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