Verhalten im Wandel von Werten & Lebensstilen
Ellen Matthies (links) und Birgit Mack leiten zusammen das Arbeitspaket 6
Ellen Matthies (links) und Birgit Mack leiten zusammen das Arbeitspaket 6. Quelle: ENavi
Arbeitspaket 6

Welchen Einfluss haben Werte und Lebensstile?

Wenn wir uns in Zukunft fortbewegen und unsere Wohnzimmer und Büros heizen, ohne dabei viel Treibhausgas auszustoßen, noch mehr erneuerbare Energien in den Strommix bekommen und insgesamt weniger Energie verbrauchen – dann gelingt die Energiewende. Das hängt von einem Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure ab.

Die Unternehmen und Haushalte entscheiden, wie sie ihr Geld investieren, Nicht nur die Investitionsentscheidungen in Unternehmen und Industrie, auch Investitions- und Nutzungsverhalten der Haushalte spielen eine bedeutsame Rolle. Ebenso ist das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure, etwa zwischen Energieunternehmen und Haushalten oder zwischen sogenannten „Pionieren des Wandels“ und weiteren Akteuren für das Erreichen der Energiewendeziele wichtig.

Im Mittelpunkt unserer Forschung stehen Akteure, die die Energiewende maßgeblich beeinflussen und aktiv mitgestalten können. Besonders wichtige Zielgruppen sind Privathaushalte und Unternehmen. In insgesamt elf Teilprojekten (Tasks) beschäftigen sich die Verhaltensforscherinnen und –forscher mit den Sektoren Mobilität sowie Strom- und Wärmekonsum. Viele Tasks berücksichtigen verschiedene Sektoren und untersuchen mehrere Zielgruppen.

Forschungsfragen sind beispielsweise:
  • Was motiviert Privatpersonen und Unternehmen, sich ein Elektroauto zu kaufen?
  • Unter welchen Umständen werden energetische Gebäudesanierungen durchgeführt?
  • Führt Car-Sharing zu mehr Umweltschutz?
  • Nutzen Car-Sharer auch andere umweltfreundliche Verkehrsmittel?
  • Verbrauchen UmweltschützerInnen auch weniger CO2?
  • Wo wohnen Deutschlands Umweltschützerinnen und Umweltschützer?
  • Welche Stromangebote wünschen sich Privathaushalte? Unter welchen Umständen schließen sie neue Stromverträge ab?
  • Haben (einfache) Energiespartipps einen Einfluss auf Energieeinsparungen in Haushalten? Falls ja, welche Art von Einspartipps (eher technischer Art oder eher verhaltensbasierter Art) haben eine größere Erfolgswahrscheinlichkeit?
  • Wie effektiv sind ordnungsrechtliche Instrumente wie das Baden-Württembergische EWärmeG, um den Ausbau von erneuerbaren Wärmeinstallationen in Haushalten zu beschleunigen? Welche Auswirkungen hat das EWärmeG auf den Baden-Württembergischen Immobilienmarkt?
  • Wie entwickelt sich der Energieverbrauch des deutschen verarbeitenden Gewerbes?
  • Welche Treiber gibt es für die Energieeffizienz im deutschen verarbeitenden Gewerbe?

Potenziale im Verhalten von Haushalten und Unternehmen werden häufig unterschätzt, wenn man nur vom aktuellen Konsum ausgeht!

Prof. Ellen Matthies, Leiterin Arbeitspaket 6

Quelle: ENavi
Aufgaben des Arbeitspakets. Quelle: ENavi

Welche Faktoren beeinflussen energierelevante Entscheidungen?

Ziel ist es, Einflussfaktoren energierelevanten Verhaltens zu identifizieren. Das heißt zu untersuche, welche Handlungen die Energiewende unterstützen oder ihr im Weg stehen und warum sich die Zielgruppe für die eine oder andere Handlung entscheiden.

Zur Identifikation dieser Schlüsselfaktoren nutzen die Forschenden unter anderem quantitative und qualitative Erhebungen mit großen Stichproben, Discrete-Choice Experimente (Conjoint-Analysen), Quasi-Experimente und Literaturstudien.

Die Forschungsergebnisse dienen der Gestaltung von Steuerungsmaßnahmen (Interventionen) für die Energiewende und leisten einen Beitrag zur Entwicklung von Maßnahmenbündel (sogenannte „Policy Packages“). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten Empfehlungen zur Stärkung von förderlichen Faktoren und zur Überwindung hemmender Faktoren aus. Hierbei werden auch Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Sektoren und Zielgruppen berücksichtigt. Insbesondere auch indirekte Effekte und mögliche Nebenwirkungen (Spillover, Rebound) denkbarer Interventionen sowie Transformationsdynamiken (Interaktionen zwischen Zielgruppen und Sektoren) werden berückstichtigt.

Um die Wirksamkeit und Nutzbarkeit unserer innovativen, zielgruppenadäquaten Interventionen optimal einschätzen zu können, kooperiert das Forscherteam mit einer Reihe von Praxispartnern (Transdisziplinarität). Praxistests der entwickelten Maßnahmen, etwa in Modellregionen und Reallaboren sind geplant. Die aktuellen Praxispartner im Arbeitspaket sind:

  • Bundesverband Car-Sharing (BCS)
  • Modellregion Mecklenburg-Vorpommern
  • Petrol d.d. Ljubljana
  • Umweltbundesamt (UBA)
  • Verbraucherzentrale NRW
  • Verkehrsclub Deutschland (VCD)
  • Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN)

Die Ergebnisse werden den anderen ENavi-Arbeitspaketen zur Integration in Modellierungen möglicher Transformationspfade zur Verfügung gestellt.

Die Frage nach dem Einfluss von Lebensstilen und Werten auf die Energiewende ist komplex und es gibt viele verschiedene Einflussfaktoren. Damit sie beantwortet werden kann, arbeiten die Forscherinnen und Forscher in einem interdisziplinären Team aus den Disziplinen Psychologie, Soziologie, Ökonomie, Politik, Geografie und Technologiefolgenabschätzung.

Zusätzlich bestehen enge Kooperationen mit anderen Arbeitspaketen. So kann das Team verschiedene Perspektiven und Befunde berücksichtigen und integrieren. Die Bedürfnisse und Wünsche unserer Zielgruppen stehen im Vordergrund der Forschung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler pflegen daher auch den engen Kontakt mit Organisationen der Zivilgesellschaft. Diese können sich mit ihren Fragen an ENavi wenden. So sollen Ergebnisse erarbeitet werden, die aktuelle Fragestellungen aufgreifen und allen Bedürfnissen gerecht werden.

Dr. Birgit Mack

Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS) der Universität Stuttgart, +49 177 5211896, birgit.mack@zirius.uni-stuttgart.de

  • Leiterin Arbeitspaket 6 Verhalten im Wandel von Werten und Lebensstilen

Prof. Ellen Matthies

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, +49 391 67 58471, ellen.matthies@ovgu.de

  • Leiterin Arbeitspaket 6 Verhalten im Wandel von Werten und Lebensstilen

Publikationen aus Arbeitspaket 6

Verhaltensökonomie – Ihr Einfluss auf Politik und Verbraucher

Die Verhaltensökonomie erforscht den Einfluss verschiedener Faktoren auf das Entscheidungsverhalten von Menschen. In der Studie wird diskutiert, inwieweit die Forschung das Konsumverhalten und die Verbraucherpolitik beeinflusst hat. (Text auf Englisch)

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Free Cargo Bikesharing

Damit die Verschmutzung in deutschen Städten sinkt, müssen weniger Privatautos und dafür mehr kohlenstoffarme Alternativen genutzt werden. In den letzten Jahren hat sich dabei ein aktives Netzwerk von freien Lastenrädern etabliert: sogenannte Free Cargo-Bikesharing Systeme. Damit treten Bürger aktiv für eine Transformation des Energiesystems ein. Im Paper werden die Potentiale der freien Lastenräder genauer analysiert. (Text auf Englisch)

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