Roadmap & Navigation
Arbeitspaket 1

Ein Fahrplan für die Energiewende

Fahren in Zukunft mehr Elektroautos oder Wasserstoff-Busse über Deutschlands Straßen? Wo sollte das Stromnetz mit Erdkabeln ausgebaut werden und wo fehlt dafür die Akzeptanz in der Bevölkerung? Antworten auf diese Fragen sucht das erste ENavi-Arbeitspaket. Die Forschenden bündeln hier alle Erkenntnisse, die im Projekt gesammelt werden, und erstellen einen Fahrplan, in Form eines Navigationsmodells. Dieses Modell stellt das zentrale Ergebnis des Projektes dar und ermöglicht, die Wirkungen von Entscheidungen zu simulieren und abzuschätzen.

Auf die gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Bedingungen der Energiewende haben einzelne Akteursgruppen nur wenig Einfluss. Umso wichtiger ist es, die möglichen Folgen dieser Entwicklungen und Interventionen möglichst genau im Voraus abschätzen zu können. Nur so lässt sich eine politisch effektive und legitime, sozial verträgliche, ökologisch nachhaltige, technisch ausgereifte und wirtschaftlich optimierte Transformation bewirken. Der Roadsmap-und-Navigation-Ansatz des Arbeitspakets integriert disziplinäres und soziales Wissen, um verschiedene Entwicklungspfade aufzuzeigen und die Wirkungen von politischen Entscheidungen zu simulieren. Das Arbeitspaket stellt so wichtiges Orientierungswissen für die Energiewende bereit.

Entwickelt wird ein systemintegrativer Analyse- und Bewertungsprozess, der die Erkenntnisse aus den anderen ENavi-Forschungsarbeiten integriert, um den Weg zu einem nachhaltig ausgestalteten Energiesystem zu weisen („Navigation“). Die Navigation zeigt den Nutzerinnen und Nutzern dabei mögliche Wege auf, wie sie ihr Ziel erreichen können und weist auf zu erwartende Wirkungen und Nebenwirkungen hin. Der Navigations-Ansatz soll Handlungsmöglichkeiten (im Sinne von politischen Interventionen) von Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern – aber auch sich abzeichnende externe, nicht intendierte Ereignisse – hinsichtlich ihrer Implikationen und Auswirkungen auf das Energiesystem analysieren. Damit sollen Erkenntnisse generiert werden, die Hinweise auf Erfolgsaussichten aber auch auf mögliche unerwartete Konsequenzen ihrer Interventionen liefern. Durch eine frühzeitige und „virtuelle“ Untersuchung der Auswirkungen trägt die Folgenanalyse dazu bei, dass Optionen ohne folgenschwere Fehler ausprobiert werden können.

Der Roadsmap-Ansatz identifiziert nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft unterschiedliche Entwicklungspfade, weist diese aus und entwickelt sie weiter bis das Ziel - ein nachhaltiges Energiesystem - erreicht ist. Das KonzeptRoadsmap an der Schnittstelle von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik ist ein etabliertes Werkezeug in der Zukunftsforschung. Das Besondere am Roadsmap-Konzept: Es geht von mehreren möglichen Wegen aus. Damit wird die Komplexität und Ambiguität der realen Welt berücksichtigt. Anders als bei einer „einfachen“ Roadmap, die beispielsweise ein Produkt, eine Technologie oder eine Branche über den Zeitverlauf abträgt, um Zielerreichung und Umsetzungsschritte zu erleichtern, nimmt der Roadsmap-Ansatz von vornherein eine systemanalytische Perspektive in den Blick. Dabei steht das Zusammenspiel technischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Elemente zu einem Systemzustand im Mittelpunkt, um mehrere, zeitlich parallel verlaufende Transformationspfade, die auf das gleiche Ziel fokussieren, zu ermitteln.

Das Roadsmap- und Navigationssystem hat zwei Ziele: Erstens dient es der analytischen Wissensintegration und soll die Arbeiten und Erkenntnisse der Energiewendeforschung (vor allem von ENavi, aber auch von anderen Kopernikus-Projekten und darüber hinaus) zusammenführen. Zweitens soll die Navigation den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern eine Orientierungshilfe für die Ausarbeitung, Beurteilung und Umsetzung zielgerichteter Interventionen sein. Grundlage dieser Entscheidungshilfe ist die ex-ante Bewertung von Maßnahmen und Interventionen – den sogenannten Maßnahmenbündeln (Policy Packages). Policy Packages sind aufeinander abgestimmte und kohärente Politikmaßnahmen, die einen bestimmten Entwicklungspfad anstreben

Policy Package: Unter einem ein „Policy Package“ wird ein Maßnahmenbündel verstanden, das ein (oder mehrere) gegebene Ziel(e) ansteuert und dabei einen spezifischen zielkonformen Transformationspfad für das durch die Zielsetzung adressierte System anstrebt. Die gebündelte Betrachtung verschiedener Einzelinterventionen und deren Interaktion zielt darauf ab, den Transformationspfad auch jenseits der reinen Zielerfüllung spezifisch zu gestalten, die zielbezogene Wirksamkeit einzelner Interventionen zu verbessern, Nebennutzen zu fördern, mögliche unbeabsichtigte Wirkungen zu minimieren und/oder die Legitimität bzw. Akzeptanz der Interventionen zu stärken.

Die Bewertung von Maßnahmensbündeln im Navigationssystem soll eine frühzeitige und „virtuelle“ Untersuchung möglicher Auswirkungen von Entwicklungen und Interventionen erlauben. Die Navigation betrachtet das Energiesystem demnach aus einer Interventionsperspektive.

Dr. Dirk Scheer

Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Arbeitspaket-Koordinator, +49 721 608-22994

Publikationen aus Arbeitspaket 1

Orientierungswissen für die Energiewende: der Roadsmap-und-Navigation-Ansatz

Das Kopernikus-Projekt ENavi will der Komplexität des Energiesystems begegnen, indem es unterschiedliche disziplinäre und soziale Wissensbestände aus allen ENavi-Forschungsarbeiten zusammenführt. Damit dies gelingt, wird das Projektteam in dem Modul Roadsmap und Navigation energiepolitische Entscheidungen aus systemanalytischer Perspektive abschätzen und bewerten und so den Weg zu einem nachhaltigen Energiesystem aufzeigen.

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Unterstützung für erneuerbare Technologien

Wie lässt sich die Energiewende am besten vorantreiben? Sollte dabei lieber technologieneutral oder –spezifisch gefördert werden? Diese Studie analysiert mögliche Finanzierungsmöglichkeiten und Politikansätze. (Text auf Englisch)

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