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06.03.2018 | SynErgie

Kopernikus-Projekte auf der größten internationalen Wissenschaftskonferenz in den USA

Quelle: ©IASS; Foto: H. Thomas
Quelle: ©IASS; Foto: H. Thomas

Die Kopernikus-Projekte ENavi und SynErgie stellten ihre bisherigen Forschungsergebnisse zur deutschen Energiewende im Februar auf der größten internationalen Wissenschaftskonferenz, dem Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Austin, Texas, vor.

Mit der Energiewende hat sich Deutschland zum Ziel gesetzt, das überwiegend auf fossilen Energieträgern beruhende Energiesystem in ein weitgehend CO2-freies und auf erneuerbaren Energien basierendes System zu transformieren. Wie eine solche gesamtgesellschaftliche Umgestaltung des Energiesystems gelingen kann, stellten Wissenschaftler der Kopernikus-Projekte ENavi und SynErgie auf der AAAS in Texas vor. Auf der jährlichen AAAS-Konferenz diskutierten rund 10.000 führende Wissenschaftler, Pädagogen, Politiker und Journalisten aus 60 Ländern über aktuelle Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie.

Mit drei Impulsvorträgen und einem Kommentar konnten die Projekte der internationalen Forschungsgemeinschaft einen Einblick in ihre Forschung und die bisher gewonnen Erkenntnisse geben. Ortwin Renn, wissenschaftlicher Direktor am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) und ENavi-Projektsprecher, hob in seinem Impulsvortrag hervor, dass technologische Veränderungen und Innovationen nur auf den ersten Blick ein Thema ausschließlich für die Ingenieur- und Naturwissenschaften seien. Nach ihren Erfahrungen, zum Beispiel beim Widerstand gegen den Stromnetzausbau, sei gezeigt worden, dass man jedoch auf sozialwissenschaftliche Forschungsperspektiven angewiesen sei.

Die Sektoren Industrie, Verkehr, Wärme und Strom müssen gekoppelt werden, um die von der Bundesregierung im Klimaschutzplan 2050 festgesetzten Ziele zu erreichen. Große CO2-Einsparungen sind möglich, wenn die bestehenden Öl- und Gasheizungen sukzessiv durch nachhaltige Heizungssysteme ausgetauscht werden, die zum Beispiel Sonnenenergie direkt nutzen. „Bei der Betrachtung des Anteils erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch wird deutlich, dass wir erst am Anfang der Energiewende stehen. Die momentan verfügbaren Technologien mit Ausbaupotenzial, das heißt Windkraftanlagen, Photovoltaik und Solarthermie, haben momentan zusammen nur rund 4,5 Prozent Anteil am Gesamtenergieverbrauch“, betonte Heiko Thomas, stellvertretender wissenschaftlicher ENavi-Geschäftsführer vom IASS.

Stefan Seifermann, Leiter der SynErgie-Koordinierungsstelle von der Technischen Universität Darmstadt, machte deutlich, dass Beispiele aus der Industrie zeigen könnten, wie das in der Praxis funktionieren kann: „Während manche Maßnahmen, zum Beispiel die Anpassung und der Ausbau des Stromnetzes, mitunter hohe Kosten und geringe gesellschaftliche Akzeptanz hervorrufen, bietet das so genannte Demand-Side-Management die Chance auf eine kosteneffiziente und sozial akzeptierte Energiewende.“ Beim Demand-Side-Management werden industrielle Prozesse an die saison- und witterungsabhängige Energieversorgung flexibel angepasst und synchronisiert.

Nach einem Gastkommentar von Carlo Jaeger (Global Climate Forum, Berlin) verglichen die Kopernikus-Forscher in der anschließenden Podiumsdiskussion mit über 60 internationalen Teilnehmern – darunter Soziologen, Naturwissenschaftler, Politologen, Vertreter der Zivilgesellschaft, Wirtschaftsvertreter aus dem Environmental Engineering und Consulting Bereich sowie Journalisten – den aktuellen Stand der Forschung in Deutschland und den USA. Darüber hinaus diskutierten sie den sogenannten Embedded-Research-Ansatz, bei dem – wie im Kopernikus-Projekt ENavi – verschiedene Disziplinen gleichberechtigt und simultan zusammenarbeiten. Die Diskutanten brachten großes Interesse an dem integrativen Ansatz der Kopernikus-Projekte zum Ausdruck.

Das Fazit der Konferenz für die Kopernikus-Projekte war es, dass sie verstärkt auf internationaler Ebene kritisch aufzeigen sollten, vor welchen Herausforderungen Deutschland steht und was sich in Teilbereichen auf andere Länder übertragen lässt. Deutschland sollte neue Technologien bei der Flexibilisierung im Industriebereich, bei der Sektorkopplung und der Digitalisierung zügig erproben. Ansonsten werden es andere tun. Speziell die USA zeichnen sich traditionell durch zielorientierte Mentalität und Finanzierungsmodelle aus, um Innovationen kurzzeitig umzusetzen.

Mehr Informationen zu den Kopernikus-Projekten:

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