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13.02.2019 | ENavi

Internationale Zusammenarbeit für die Energiewende

Quelle: Ute Grabowsky FONA, photothek
Quelle: Ute Grabowsky FONA, photothek

Die United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) diskutierte auf dem 9. Internationalen Energie Forum für eine nachhaltige Entwicklung in Kiew mit internationalen Experten aus Politik, Wissenschaft, Industrie, Finanzindustrie und von Energiedienstleistern. Die Energiewende kann keine Insellösung sein! Über Praxiserfahrungen und länderübergreifende Herausforderungen bei der Entwicklung eines nachhaltigen Energiesystems.

Das aktuelle Wirtschaftssystem baut darauf auf, dass Energie aus fossilen Rohstoffen wie Kohle und Gas gewonnen wird. Die Energieproduktion ist stabil, erfolgt zuverlässig, aber setzt viel klimaschädliches Kohlenstoffdioxid frei. Um die Emission von Treibhausgasen einzuschränken, soll ein ganzheitliches Energiesystem geschaffen werden, das einen treibhausgasneutralen Kreis von der Produktion über die Verteilung und Speicherung bis hin zum Verbrauch aufbaut. Dreh- und Angelpunkt ist eine moderne Infrastruktur, die die einzelnen Elemente des Energiesystems miteinander verzahnt.

Intelligente Energiesysteme und moderne Infrastruktur sind erforderlich, um die ansteigende Stromproduktion aus erneuerbaren Energien – zum Beispiel Windenergie – in das Netz zu integrieren. Mykhailo Bno-Airiian vom ukrainischen Stromnetzbetreiber Ukrenergo wies auf die hohen Kosten durch die Integration von erneuerbaren Energien hin: Sie machen acht Prozent der Gesamtkosten aus, obwohl Windkraftanlagen in der Ukraine nur zwei Prozent des Stroms produzieren. Als Konsequenz plant Ukrenergo eine Installation und Genehmigung von erneuerbaren Energien auf Auktionsbasis so, wie es Deutschland seit 2017 für Großanlagen macht.

Die Speicherung von Kohlenstoff (Carbon Capture and Storage, CCS) und auch dessen Wiedernutzung (Carbon Capture and Utilisation, CCU) diskutierten die Experten kontrovers. Stefanie Held, UNECE, trat dafür ein, in der jetzigen, durchaus kritischen Situation alle verfügbaren Technologien inklusive CCS in die Überlegungen zur Neugestaltung des Energiesystems miteinzubeziehen. In weiteren Diskussionen wurde deutlich, dass auch die Nuklearenergie weiterhin zu diesen verfügbaren Technologien gezählt wird.

Trotz der gewaltigen, bereits erfolgten Anstrengungen ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch in Deutschland noch immer gering, Wind zum Beispiel trägt nur drei Prozent bei. Für alle Experten stand fest: Die Energiewende kann nicht als Insellösung gelingen. Eine Energiewende in Deutschland und – darüber hinaus – in Europa erfordert eine internationale Zusammenarbeit. Die Energiegewinnung auf Basis erneuerbarer Energieträger muss effizient und systemisch organisiert werden. Zum Beispiel ist die Installation von vielen Photovoltaik-Anlagen mit 10-Gigawatt Leistung in südlicheren Ländern sinnvoller als in Deutschland. In Ländern mit stärkerer Sonneneinstrahlung kann Photovoltaik mehr Strom pro Fläche, pro Kosten und pro Materialeinsatz produzieren.

Stephan Singer vom Climate Action Network, Stefan Stückrad und Heiko Thomas vom Kopernikus-Projekt ENavi präsentierten die Erfahrungen und den derzeitigen Stand der deutschen Energiewende als Fallbeispiel. Stückrad und Thomas stellten die Varianten eines möglichen Kohleausstiegs vor. Sie skizzierten Ursachen und Lösungen für den Innovationsstau im Wärmebereich. Der Stromverbrauch muss nicht nur relativ, sondern auch absolut sinken, um die Emissionsminderungsziele zu erreichen. Verhaltensänderungen zum Beispiel bei der Stromanwendung und Verkehrsnutzung sind erforderlich, Suffizienz wird an die Stelle von Effizienz treten.

Singer, Stückrad und Thomas hoben die Bedeutung einer sozialverträglichen Strukturreform hervor. Die Umgestaltung des Stromsystems kann nur gelingen, wenn die Gesellschaft als Ganzes sie mitträgt. Das Konzept des Kopernikus-Projekts ENavi, welches alle Akteure, alle Disziplinen und die Gesellschaft als Gesamtheit einbindet, um gangbare Pfade zu identifizieren, fand rege Zustimmung. Insbesondere die Weltbank, das UNECE-Projekt „Pathways to Sustainable Energy“ und die UNECE-Plattform zur Modernisierung der Infrastruktur und zum Thema „Kohle und Methan“ möchten den Austausch mit ENavi verstärken.

Die Veranstaltung wurde von der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE), der Inter-American Development Bank, dem Kopernikus-Projekt ENavi, IPIECA und EIT Climate-KIC organisiert.

Die Panelisten: Mykhailo Bno-Airiian, Ukrenergo; Phil Grainger, Climate Change, IPIECA; Stefanie Held, Pathways to Sustainable Energy Project, UNECE; Stephan Singer, Global Energy Policies, Climate Action Network International; Stefan Stückrad, Kopernikus-Projekt ENavi; Heiko Thomas, Kopernikus-Projekt ENavi.

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