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27.11.2017 | ENavi

Führt hohes Umweltbewusstsein zu geringerem Energiekonsum?

Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zum Pro-Kopf-Verbrauch von Ressourcen zeigt, dass umweltbewusstere Menschen mehr Energie verbrauchen - obwohl man das Gegenteil erwarten würde. Im Forschungsprojekt ENavi wurden diese kontraintuitiven Befunde deshalb erneut analysiert, um daraus Schlüsse für die Energiewende und Verhaltensanreize zu ziehen.

In einem Workshop zum Thema Umweltbewusstsein und Energiekonsum diskutierten Mitarbeiter des Instituts für Psychologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg mit Vertretern des Umweltbundeamts (UBA) über zwei aktuelle Berichte des UBA zum Umweltbewusstsein in Deutschland und zum Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch.

Prof. Florian Kaiser, Professor für Persönlichkeits- und Sozialpsychologie an der Universität Magdeburg, arbeitet im Arbeitspaket 6 an ENavi mit. Der Inhalt der beiden UBA-Berichte steht in direktem Bezug zu der in diesem Arbeitspaket geplanten Forschung, in der die Relevanz des Umweltbewusstseins für den ökologischen Fußabdruck untersucht werden soll. 

Vor allem die Studie zum Pro-Kopf-Verbrauch von Ressourcen des UBA lieferte kontraintuitive Befunde (vgl. z. B. Bruderer Enzler & Diekmann, 2015). Ein höheres Umweltbewusstsein geht nach dieser UBA-Studie mit höherem Energiekonsum einher. Eigentlich wird das genaue Gegenteil erwartet, nämlich dass mit zunehmendem Umweltbewusstsein der Ressourcenverbrauch und somit der ökologische Fußabdruck sinkt.

Im Rahmen des Workshops wurden unterschiedliche Modelle diskutiert, wie Umweltbewusstsein konzeptualisiert und erfasst wird. In der Theorie, welche von unserer Arbeitsgruppe angewandt wird (dem Campbell-Paradigma), ist ressourcenschonendes Verhalten eine Funktion des Umweltbewusstseins von Personen und der Verhaltenskosten, die mit der Realisierung des spezifischen Verhaltens einhergehen. Diese Kosten eines Verhaltens sind das Resultat aller Kontextfaktoren, die das Verhalten erschweren oder erleichtern (z. B. Strompreis, zeitlicher Aufwand, Komforteinbuße). Dasselbe Modell kann wiederum auch zur Messung von Umweltbewusstsein verwendet werden. Eine nach unserem Ansatz durchgeführt Re-Analyse der Daten der UBA-Studie führte zu den erwarteten Ergebnissen: Das individuelle Umweltbewusstsein, gemessen im Rahmen des Campbell-Paradigmas, zeigt einen negativen Zusammenhang mit dem Ressourcenverbrauch der Personen. Mit zunehmendem individuellem Umweltbewusstsein nimmt der Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch ab.

Die Ergebnisse des Workshops sind eine Vorarbeit für den Task 4 im Arbeitspaket 6, welcher die regionalen Unterschiede des Zusammenhangs von Umweltbewusstsein und ökologischem Fußabdruck in Deutschland exploriert. Ein weiteres Resultat des Workshops ist die Kooperation der Arbeitsgruppe mit dem UBA im Rahmen der Umweltbewusstseinsstudie 2018. In dieser ist eine Re-Analyse und Verknüpfung der seit 1996 erhobenen, repräsentativen Daten zum Umweltbewusstsein in Deutschland geplant. Diese Analyse wird ebenfalls auf Basis des Campbell-Paradigmas erfolgen.

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