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28.06.2018 | ENavi

Klimaforscher: Stromwende reicht nicht

Quelle: FONA/photothek

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Die Stromversorgung soll sauberer werden. Doch Industrie, Verkehr und Wärmesektor stoßen immer noch zu viel CO2 aus. Die Pariser Klimaziele zu erreichen wird deshalb auch nach einem Kohleausstieg schwierig. Ein Team von internationalen Forschern, unter anderem aus dem Kopernikus-Projekt ENavi, zeigt in einer neuen Studie, warum das so ist – und was man dagegen tun kann.

Wenn Stahl und Zement entstehen, stoßen die Fabriken viel CO2 aus – weil sie fossile Brennstoffe nutzen. Autos, Lastwagen und Flugzeuge belasten das Klima zusätzlich, und auch Gebäude lassen sich noch zu selten mit erneuerbaren Energien beheizen. Das zeigt auch der gerade veröffentlichte Monitoring-Bericht der Energiewende-Kommission, die die Bundesregierung berät. Die Experten haben festgestellt, dass die Treibhausgasemissionen viel zu langsam sinken.

Am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) arbeiten einige der wichtigsten Forscher zu globalem Wandel, Klimawirkung und nachhaltiger Entwicklung. Zusammen mit einem internationalen Wissenschaftler-Team aus Europa, den USA und Japan, haben sie jetzt eine Studie veröffentlicht, die zeigt, welche Engpässe uns auf dem Weg zu einer klimastabilen und CO2-freien Wirtschaft erwarten.

Dabei haben sie sich auf die Emissionen fossiler Brennstoffe aus Industrie, Verkehr und dem Wärmesektor konzentriert. „Diese Sektoren sind viel schwieriger CO2-frei zu bekommen als unsere Energieversorgung, da es hier keine so offensichtlichen Alternativen wie die Erzeugung von Wind- und Solarstrom gibt“, erklärt Shinichiro Fujimori, Forscher des Nationalen Institutes für Umweltstudien (NIES) und der Universität Kyoto in Japan. Doch am Ende sind es genau diese drei Sektoren, die darüber entscheiden, ob die international vereinbarten Klimaziele erreicht werden können – oder nicht.

Um die Erderwärmung auf einen Durchschnitt von maximal 1,5°C zu begrenzen, dürften bis 2100 schätzungsweise nur noch 200 Gigatonnen CO2 ausgestoßen werden. Das steht im krassen Gegensatz zu den 4.000 Gigatonnen Kohlendioxid, die entstehen, wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen. Die Studie zeigt, dass deshalb Technologien entwickelt werden müssen, die CO2 aus der Atmosphäre ziehen. Es wird nicht reichen, die Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren oder ganz zu vermeiden.

Die Forscher haben verschiedene Dekarbonisierungspfade zu den Pariser Klimazielen untersucht: „Wir haben errechnet, dass selbst bei enormen Anstrengungen aller Länder, einschließlich einer frühzeitigen und substanziellen Stärkung der beabsichtigten nationalen Beiträge, im Fachjargon NDCs oder nationally determined contributions genannt, die verbleibenden fossilen Kohlenstoffemissionen bei etwa 1.000 Gigatonnen CO2 verbleiben werden“, erklärt Gunnar Luderer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK, Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft), Hauptautor der Studie. „Dies scheint das untere Ende dessen zu sein, was selbst mit sehr ehrgeiziger Klimapolitik erreicht werden kann, da ein Großteil der Rest-Emissionen aufgrund der vorhandenen Infrastrukturen und der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bereits fest im System drin ist.“ Um das 1,5°C-Ziel für die Erwärmung am Ende des Jahrhunderts anzustreben, wäre eine unglaublich große Menge von mindestens 600 Gigatonnen CO2-Entfernung erforderlich – das entspricht dem 15-fachen der derzeitigen jährlichen CO2-Emissionen, betont Luderer. „Negative Emissionen wäre also nicht mehr eine unter mehreren möglichen Optionen, sondern eine geophysikalische Notwendigkeit.“

Videointerview mit Gunnar Luderer (PIK)

Kontakt für weitere Informationen:

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Pressestelle Telefon: +49 (0)331 288 2507
presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima
www.pik-potsdam.de

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