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05.12.2018 | ENavi

Kohlekommission profitiert von ENavi-Forschung

Quelle: Fona/Photothek
Quelle: Fona/Photothek

Wie können wir die Klimaziele 2030 und 2050 erreichen? Das Kopernikus-Projekt ENavi hat untersucht, wie der Stromsektor entsprechend transformiert werden muss. Die Ergebnisse liegen nun vor. Mit ihrem Bericht haben die Forschenden die Kohlekommission informiert – aber ihre Vorschläge auch in Vorträgen der Kommission direkt präsentiert. Hier eine kurze Zusammenfassung.

CO2 bepreisen: Prof. Ottmar Edenhofer (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, PIK) hat in seiner Stellungnahme den Ausstieg aus der Kohleverstromung in den Kontext des Pariser Abkommens gestellt. Dabei hat er darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die Freisetzung von CO2 in die Atmosphäre mit einem angemessenen Preis zu versehen und diesen europäisch einzubetten, wenn man den Kohleausstieg ökonomisch effizient, ökologisch effektiv und sozialverträglich umsetzen will. Dies ist auch vom Handelsblatt aufgegriffen worden, das Herrn Edenhofer in einer Ausgabe mit Titelthema „Energiewende“ dazu interviewt hat. Für eine solche Bepreisung setzt sich auch Prof. Kai Hufendiek (IER - Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart) ein, der zusammen mit Prof. Edenhofer die Leitung des Forschungsschwerpunkts verantwortet.

Mehr dazu im Artikel „Potsdamer Expertise in deutscher Kohlekommission” auf der Seite des PIK und im Artikel Wir können uns nicht noch eine verlorene Dekade erlauben” des Handelsblattes.

Aussteigen und modernisieren: Prof. Andreas Löschel (Universität Münster) hat in seinem Vortrag vor der Kommission die Bedeutung der Klimaziele für alle anstehenden Entscheidungen zur Umgestaltung des Stromsystems und zum Ausstieg aus der Kohleverstromung hervorgehoben. Gestützt auf die ENavi-Ergebnisse und weitere Studien konnte er dabei zeigen, welche Klimawirkungen durch Schließungen und Modernisierungen energiewirtschaftlicher Einrichtungen zu erwarten sind, wenn man sich vor allem an wirtschaftlichen Überlegungen orientiert. Auf dieser Grundlage konnten verschiedene Ausstiegspfade voneinander abgegrenzt und Fragen der Implementierung diskutiert werden.

Eine sichere Stromversorgung: Die deutsche Energiewirtschaft ist eng eingebunden in den europäischen Strommarkt. Daraus ergeben sich Erfordernisse, die bei allen Entscheidungen über das nationale Stromsystem berücksichtigt werden müssen. Diese Erfordernisse hat Dr. Frank Sensfuß (Fraunhofer-Institut ISI) unter Einbeziehung von ENavi-Ergebnissen vor der Kommission erläutert. Neben den Details des europäischen Stromhandels stellte er dabei auch dar, wie sich der Strompreis bildet, welche Auswirkungen das auf den Einsatz von Kraftwerken hat und wie sich das Wetter auf die Stromerzeugung auswirkt. Da die Versorgungssicherheit ein zentrales Thema bei jedem Eingriff in das Energiesystem darstellt, sind alle diese Aspekte grundlegend für die weitere Arbeit der Kohlekommission.

Strukturwandel gestalten: Prof. Dr. Ortwin Renn (IASS, ENavi-Sprecher) hat erläutert, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen aus soziologischer Sicht ein sozialverträglicher Strukturwandel in Kohle-Regionen möglich ist. Er betonte dabei, dass es nicht nur auf den Ersatz von Arbeitsplätzen ankomme. Vor allem müsse eine positive Entwicklungsperspektive an die Traditionen der jeweiligen Region anschließen und gleichzeitig neue Zukunftsfelder eröffnen. Dazu stellte er Beispiele aus anderen Regionen sowie Ergebnisse aus empirischen Untersuchungen des ENavi-Projekts vor, die zeigen, wie die Bevölkerung zu Kohleausstieg und Energiewende steht.

ENavi hat dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die ausführlichen Ergebnisse seiner Szenarienrechnungen, die Kernbestandteil des Berichts sind, zur Verfügung gestellt. Den fachlichen Austausch mit dem BMWi und dem BDEW zu den Modellrechnungen und zum weiteren Bedarf der Kommission an wissenschaftlichen Analysen führen die ENavi-Forscher fort – unter anderem im Energiedialog des BDEW mit Vertretern der Zivilgesellschaft.

Auch den Kommissionsmitgliedern aus den Umweltschutzverbänden DNR und BUND liegt der Ergebnisbericht vor. Der NABU hat ihn der Bundesumweltministerin vorgestellt. Prof. Hans-Joachim Schellnhuber, den ehemaligen Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Mitglied der Kommission, haben die an ENavi beteiligten PIK-Kollegen umfassend über die Ergebnisse informiert.

Die Arbeit der Struktur-Kommission wird intensiv von der Wissenschaft begleitet und unterstützt. Daran sind auch die ENavi-Forscher auf vielfältige Weise mit anderen Produkten beteiligt, in die die Ergebnisse der Arbeiten im Schwerpunktthema eingeflossen sind:

Kohle-Reader: Zusammen mit anderen Instituten hat das Wuppertal Institut einen „Kohle-Reader“ veröffentlicht, in dessen Szenarioanalyse auch Ergebnisse von ENavi eingeflossen sind. Der Reader liegt den Mitgliedern der Kohlekommission vor. Mehr dazu auf der Seite des Wuppertal Institut im Artikel „Nutzen des Kohleausstiegs übersteigt Transformationskosten deutlich”.

WBGU-Policy Paper: Prof. Sabine Schlacke von der Universität Münster ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Sie hat rechtliche Aspekte des Berichts im WBGU-Policy Paper „Zeit-gerechte Klimapolitik: Vier Initiativen für Fairness“ dargestellt. Mehr dazu im Artikel „Klimapolitik „zeit–gerecht“ gestalten”.

Energiesysteme der Zukunft (ESYS): Prof. Sabine Schlacke und Prof. Michèle Knodt (TU Darmstadt) haben ausgehend von ihren juristischen und politikwissenschaftlichen Analysen Handlungsoptionen für die Ausgestaltung einer Europäischen Energieunion entwickelt, die auf die Erfordernisse eines nationalen Kohleausstiegs Rücksicht nimmt. Ihre Überlegungen haben sie im Rahmen der Initiative „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) zur Diskussion gestellt. Mehr zu ESYS

Konzept für eine umfassende CO2-Steuerreform: Prof. Ottmar Edenhofer hat zusammen mit Prof. Christoph Schmidt (Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) einen Vorschlag für eine umfassende CO2-Steuerreform erarbeitet. Die Analysen für einen entsprechenden Preis im Stromsektor zur Erreichung des Klimaziels 2030 schließen an ENavi Arbeiten an, die im Kontext des Forschungsschwerpunkts durchgeführt wurden. Mehr dazu im Spiegel-Artikel „Wie jetzt der Markt das Klima retten soll”

Der erfolgreiche Austausch zwischen den ENavi-Wissenschaftlern und der Strukturkommission unterstreicht den gesellschaftlichen Nutzen des Kopernikus-Projekts ENavi. Insbesondere die Forschung mit Praxispartnern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Kommunen rund um die Energiesystemtransformation und die Analyse von Instrumenten zur Erreichung des Klimaziels 2030 ist auf ein großes Interesse gestoßen. Entscheidend dafür war auch, dass die Forschung im ENavi-Schwerpunktthema von Beginn an konsequent auf politische Umsetzbarkeit hin ausgerichtet war.

Zum Kopernikus-Projekt ENavi

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