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19.01.2018 | P2X

Siemens und Evonik erforschen im Rheticus-Projekt „grüne“ Chemie

Quelle: Evonik
Günter Schmid, einer der beiden Rheticus-Projektleiter, erklärt wie Elektrolyse und Fermentation im Labor zusammen funktionieren. Quelle: Evonik

Wertvolle Spezialchemikalien aus Kohlendioxid und Ökostrom sollen in einer gemeinsamen Forschungsinitiative der beiden Großunternehmen entstehen. Das Rheticus-Projekt ist aus dem Kopernikus-Projekt P2X hervorgegangen.

Es begann mit einem Zufall: Die beiden Projektleiter von Rheticus hatten ihre Idee gerade im Labor das erste Mal getestet, als der Chief Innovation Officer von Evonik, Ulrich Küsthardt, vorbei kam und fragte, wie lange dieser Test schon laufe. „Sieben Minuten“ antwortete Günter Schmid von Siemens, der gemeinsam mit Thomas Haas von Evonik ausprobierte, wie man CO2 mithilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen und Bakterien in Spezialchemikalien umwandeln kann. Küsthardt, der selbst Chemiker ist, fand die Idee hervorragend und sagte noch, wenn das gelinge, würde eines Tages die renommierte Fachzeitschrift Nature berichten.

Tatsächlich erschien der Artikel von Schmid und Haas in der Erstausgabe der Nature Catalysis  am 8. Januar 2018, kurz vor dem Kickoff des Projekts in Marl in Nordrhein-Westfalen am 18. Januar 2018. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert Rheticus in den kommenden zwei Jahren mit 2,8 Millionen Euro. Aufgebaut werden soll eine Versuchsanlage, die „grüne“ Chemie günstiger und umweltfreundlicher produzieren kann und es ermöglicht, erneuerbare Energie über einen längeren Zeitraum zu speichern.

Hierzu arbeiten die beiden Unternehmen an Elektrolyse- und Fermentationsprozessen zusammen. Für die Elektrolysetechnik ist Siemens verantwortlich. Sie wandelt im ersten Schritt Kohlendioxid und Wasser mit Strom in Wasserstoff und Kohlenmonoxid (CO) um. Die Fermentation, also die Verwandlung CO-haltiger Gase zu Wertstoffen, übernimmt Evonik. Bei der Fermentation helfen spezielle Mikroorganismen. Am Evonik-Standort Marl sollen in der Versuchsanlage die Chemikalien Butanol oder Hexanol erzeugt werden – beides Ausgangsstoffe beispielsweise für Spezialkunststoffe oder Nahrungsergänzungsmittel. Im nächsten Schritt könnte eine Anlage mit einer Produktionskapazität von bis zu 20.000 Tonnen pro Jahr entstehen. Denkbar ist auch die Herstellung von anderen Spezialchemikalien oder Treibstoffen. Beteiligt sind rund 20 Wissenschaftler beider Unternehmen.

„Die Energiewende schaffen wir nur, wenn sie wirtschaftlich ist“, sagte Wilfried Kraus vom BMBF beim Kickoff. Für die komplexen Herausforderungen der Energiewende die richtigen Lösungen zu finden ist die Aufgabe der vier Kopernikus-Projekte des BMBF. Aus dem Kopernikus-Projekt P2X ist Rheticus hervorgegangen. Namensgeber ist der Universalgelehrte und Schüler von Nikolaus Kopernikus. Rheticus hatte Kopernikus davon überzeugt, seine Thesen zu veröffentlichen und so die Grundlage für ein neues Weltbild zu legen. Vorher war man davon ausgegangen, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Kopernikus fand heraus, dass es umgekehrt war.

Evonik und Siemens sehen im Rheticus-Projekt großes Potential für die Zukunft. So lässt sich die gewünschte Größe von Anlagen einfach verwirklichen – die chemische Industrie kann sie flexibel an lokale Gegebenheiten anpassen. Sie könnten künftig überall dort installiert werden, wo CO2 vorhanden ist – etwa aus Kraftwerksabgasen oder Biogas.

Weitere Berichte über das Rheticus Projekt:

Nachrichtenagentur Reuters

Chemistry Views

Financial Times

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