01.04.2021 Ariadne

So bekommt der Green Deal Rückenwind von Stakeholdern

Die verschärften Klimaziele der Europäischen Union können nur mit der Unterstützung beteiligter Akteure wie Industrieverbänden oder NGOs gelingen. Jetzt haben Wissenschaftler aus dem Kopernikus-Projekt Ariadne untersucht, welche Aspekte des Green Deal für diese Stakeholder von besonderer Bedeutung sind und unter welchen Voraussetzungen sie die Reformen der Kommission unterstützen.

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Fotomontage: ©metamorworks - stock.adobe.com

Mit dem European Green Deal und dem angehobenen Klimaziel von 55 Prozent Treibhausgas-Reduktion bis 2030 will die EU-Kommission bis Mitte des Jahrhunderts ein klimaneutrales Europa auf den Weg bringen. Mitentscheidend für die Umsetzung des Green Deal sind auch Stakeholder in Wirtschaft und NGOs, die verschärfte oder neue Maßnahmen für den Ausbau Erneuerbarer Energien oder Energieeffizienz mittragen müssen. Wissenschaftler des Kopernikus-Projekts Ariadne haben analysiert, unter welchen Voraussetzungen zentrale Stakeholder ein erhöhtes Ambitionsniveau unterstützen und welche Aspekte ihnen bei der Reform des regulativen Rahmens der EU-Energiepolitik besonders wichtig sind.

Das Ergebnis: Die Stakeholder seien zwar grundsätzlich bereit, Ambitionserhöhungen in europäischen Richtlinien mitzutragen. Sie sprächen sich jedoch vor allem in den Bereichen Energieeffizienz und Erneuerbare Energien für eine stärkere Regulierung und bindende nationale Ziele aus. Besonders bei der Energieeffizienz spiele mehr Verbindlichkeit eine hervorgehobene Rolle; beim Ausbau Erneuerbarer Energien stünden vor allem technisch-administrative Gesichtspunkte im Fokus der Debatte.

Die Ariadne-Analyse stützt sich auf eine quantitative Umfrage, eine qualitative Textanalyse von rund 180 Positionspapieren zentraler Stakeholder und eine Analyse von knapp 200.000 Twitter-Nachrichten. Die untersuchte Gruppe setzt sich zum Großteil aus Vertreterinnen und Vertretern europäischer Dachverbände beziehungsweise nationalen Verbands-Zusammenschlüssen zusammen, und umfasst unter anderem Unternehmen, Stiftungen und andere Nichtregierungsorganisationen sowie Consultants und Think Tanks. Im politischen Prozess sind diese Akteure und Gruppen bei der Themensetzung und Umsetzung von Politikoptionen involviert. Sie vertreten nicht nur proaktiv eigene Interessen gegenüber der Politik – die Europäische Union bezieht ihre Expertise auch in Formulierung und Umsetzung von Politiken mit ein.