08.06.2021 SynErgie

In Dänemark lohnen sich energieflexible Technologien schon heute; in Deutschland nicht: Was wir von unseren Nachbarn lernen können

Im dänischen Vejle hat der Gaskonzern Linde die weltweit erste kommerzielle Luftzerlegungsanlage in Betrieb genommen. Seit knapp einem Jahr läuft sie erfolgreich – und netzdienlich. In Deutschland würde sich eine solche Anlage gar nicht erst lohnen. Das Beispiel Linde zeigt, wie unterschiedliche Netzentgeltsystematiken den Einsatz energieflexibler Technologien beeinflussen. Warum das so ist und was Deutschland von Dänemark lernen kann.

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Foto: SynErgie/ Linde

Die Zerlegung von Luft in ihre einzelnen Bestandteile ist extrem Energie-, das heißt: Strom-aufwendig – wie viele andere industrielle Prozesse auch. Die variablen Kosten einer Luftzerlegungsanlage bestehen zu fast 100 Prozent aus Stromkosten. Um wettbewerbsfähig zu sein, braucht es also wettbewerbsfähige Stromkosten.

Zum Hintergrund 
Das Bild zeigt die energieflexible Luftzerlegungsanlage von Linde in Dänemark.
Foto: SynErgie/ Linde 

Lesen Sie hier, wie die Luftzerlegungsanlage funktioniert und warum es solche Anlagen braucht.

Damit das auch in Deutschland der Fall ist, bekommen Industriebetriebe mit einer besonders hohen Energienachfrage günstigere Netzentgelte. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Eine davon ist ein gleichmäßiges Lastverhalten, also eine gleichmäßige Stromnachfrage. Das bedeutet: Wenn ein Unternehmen das Netz durch energieflexible Technologien entlastet, verliert es seinen Anspruch auf günstigere Netzentgelte. Anders gesagt: Energieflexible Maßnahmen zum Klimaschutz rechnen sich für Industrieunternehmen wirtschaftlich nicht. Das gilt auch im Fall des SynErgie-Partners Linde: In Dänemark kann er eine Luftzerlegungsanlage mit in Kopernikus entwickelten Technologien vorteilig einsetzen – in Deutschland würde sie sich wirtschaftlich nicht rechnen.

Der Grund: Das dänische Stromsystem bestraft Energieflexibilität nicht: Weil Netzentgelte in Dänemark ausschließlich auf der Grundlage eines (zeitabhängigen) Arbeitspreises berechnet werden, führen Lastspitzen durch Energieflexibilität nicht zu erhöhten Netzentgelten. Anders ausgedrückt: Wenn ein Unternehmen in Dänemark seine Stromnachfrage erhöht, um das Netz zu entlasten, beeinflusst das nicht die zu zahlenden Netzentgelte.

Zusammen mit SynErgie hat der Gaskonzern Linde daher ein Papier mit regulatorischen Änderungsbedarfen verfasst. Das wichtigste Anliegen: Wenn ein Unternehmen netzdienlich die Stromnachfrage erhöht, soll das keine Auswirkungen mehr auf die zu zahlenden Netzentgelte haben – wie in Dänemark. Das gilt insbesondere im Zusammenhang mit der so genannten 7000-Stunden-Regelung. Was das bedeutet, lesen Sie in diesem Paper