07.07.2021 SynErgie

Amprion Systemvision 2050: Welche Rolle die Verbrauchsseite spielen könnte 

SynErgie-Projektpartner Entelios hat sich an der amprion-Systemvision 2050 beteiligt. Dabei wird klar: Wird das Lastmanagement-Potenzial der Industrie vollständig genutzt, braucht es weniger neue Kraftwerke und Netzausbau. Und das sogar bei geringeren Kosten und höherer Akzeptanz.

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Mit dem Green Deal hat die EU das Ziel vorgegeben, dass Europa spätestens 2050 klimaneutral sein soll. Wichtig ist jedoch, dass dabei die Sicherheit und Stabilität der Stromversorgung nicht riskiert wird. Wie das gelingen kann, erörtert der Übertragungsnetzbetreiber amprion in einem breiten Diskurs bei der Entwicklung der Systemvision 2050.

SynErgie-Projektpartner Entelios hat sich daran beteiligt und die Verbrauchsseite, konkret die Industrie, beleuchtet. Die Untersuchung fördert spannende und motivierende Ergebnisse zutage: Mehr Flexibilität, weniger Infrastruktur, weniger Kosten

  1. Im modellierten Szenario folgt die Last der Erzeugung, Erneuerbare und Industrie gehen Hand in Hand. Dabei wird das Stromnetz effizient und intensiv genutzt, ebenso Flexibilität aus Industrie und Batterien. Da Unternehmen in Flexibilität investieren, können sie flexibel auf das Dargebot der Erneuerbaren reagieren. Diese Innovationen stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland.
  2. Deutschland benötigt im modellierten Szenario 45 Gigawatt Gaskraftwerke und nahezu keinen Netzausbau über den Netzentwicklungsplan 2040 hinaus. Denn die Gasturbinen werden effizient genutzt und Flexibilität angereizt. Da sich der Netzausbau schon heute um Jahre verzögert, ist die Umsetzung des Netzentwicklungsplans 2040 erst im Jahr 2050 nicht unrealistisch. Zudem würde die gesellschaftliche Akzeptanz steigen, wenn weniger neue Infrastruktur erforderlich ist.
  3. In einer Gegenrechnung mit weniger Batteriespeichern und ohne Lastmanagement steigen die Kosten um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Die SynErgie-Interpretation: Die Kosteneffizienz durch Lastmanagement zeigt die richtige Richtung an und sollte unbedingt weiter untersucht werden. Auch der immaterielle Wert ist groß: Durch die Kostenbegrenzung bei Kraftwerken und Netzen erlaubt das Szenario auch nach 2050 mehr Freiheiten ohne Lock-in-Effekt oder stranded investments.

Die daraus resultierende politische Forderung lässt sich einfach zusammenfassen: Das Potenzial von Lastenmanagement soll erkannt und genutzt werden. Wie das gelingen kann, zeigen auch die regulatorischen Handlungsempfehlungen aus SynErgie.

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