25.03.2021 SynErgie

Gesetzgebung: So lassen sich energieflexible Potenziale nutzbar machen 

Energieflexible Technologien könnten das Stromnetz stabilisieren, den Netzausbau und die Stromkosten reduzieren und gleichzeitig der Umwelt nutzen. Trotzdem bestraft die Gesetzgebung energieflexible Unternehmen derzeit eher, als dass sie sie fördert. Aus diesem Grund erarbeitet das Kopernikus-Projekt SynErgie kurzfristige und langfristige regulatorische Handlungsbedarfe für den Einsatz energieflexibler Technologien. Eine Übersicht. 

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Bildmontage: © nmann77 - stock.adobe.com

Bereits heute könnten Unternehmen das Stromnetz entlasten, indem sie Schwankungen im Stromnetz durch eine Anpassung ihrer Stromnachfrage ausgleichen. Die aktuelle Gesetzgebung verhindert jedoch den Einsatz von Flex-Technologien. Denn statt energieflexible Unternehmen zu fördern, bestraft sie sie. Daher erarbeitet SynErgie sowohl kurzfristige regulatorische Handlungsbedarfe als auch langfristige Zielrichtungen zur Gestaltung des Markt- und Stromsystem mit einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien. Dieser Artikel verschafft Ihnen eine Übersicht über die Vielzahl der bisherigen Publikationen zu diesem Thema.

Übersicht regulatorischer Handlungsbedarfe

Eine Übersicht über die kurzfristigen Änderungsbedarfe hat SynErgie in einem Positionspapier zusammengefasst. Darin stellt das Projekt fest, dass sich Anpassungsbedarfe durch die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur vor allem hinsichtlich bestehender Netzentgeltregelungen ergeben. Änderungsbedarfe durch den Gesetzgeber bestünden hinsichtlich der EEG-Umlage und der Schaffung von Flexibilitätsanreizen für kleinere, weniger energieintensive Unternehmen.

Änderungsbedarfe in der geplanten EEG-Novelle 2021

Die EEG-Umlage soll noch in diesem Jahr angepasst werden, der zugehörige Gesetzesentwurf liegt bereits vor. SynErgie-Wissenschaftler haben den Entwurf geprüft und in einer Stellungnahme kommentiert. Das Fazit: Die geplanten Anpassungen reichten nicht aus, um energieflexible Technologien in die breite Anwendung zu führen. In ihrer Stellungnahme zeigen die SynErgie-Partner auf, wie und an welchen Stellen des Gesetzesentwurfs kleine Änderungen große Wirkung erzielen würden.

Änderungsbedarfe an der geplanten EnWG-Novelle 2021

Neben dem EEG soll auch das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) 2021 angepasst werden. Es soll europäische Vorgaben für den gemeinsamen Elektrizitätsbinnenmarkt umsetzen. Auch das EnGW verpasse SynErgie zufolge jedoch die Chance, Hemmnisse für die Bereitstellung von Energieflexibilität auszuräumen. Die Umsetzung des Gesetztes sei unvollständig und inkonsistent. SynErgie spricht daher einige Empfehlungen zur Überarbeitung des Gesetzesentwurfes aus.

Langfristige Änderungsbedarfe

Langfristig braucht es noch weit umfassendere regulatorische Anpassungen. So muss die strikte Trennung zwischen Markt und Netz aufgehoben werden, damit Unternehmen das Stromnetz durch energieflexible Technologien entlasten können und dadurch die Kosten für den Netzausbau und den Netzbetrieb senken können. Laut SynErgie bedürfe es eines neuen Marktdesigns, das Netzrestriktionen und Flexibilitätspotentiale – insbesondere auf der Nachfrageseite – berücksichtigt. In einem Whitepaper zeigt das Projekt auf, wie digitale Technologien als Befähiger eines zukunftsgerichteten Stromhandels berücksichtigt werden könnten. Dafür haben renommierte Forschungseinrichtungen zusammen mit internationalen Wissenschaftlern und Experten aus der energiewirtschaftlichen Praxis eine gemeinsame Zielrichtung erarbeitet, wie Strommärkte im Hinblick auf ein zukünftiges Stromsystem gestaltet werden müssen. So sollte ein zukünftiges Stromsystem insbesondere regional differenzierte Strompreise erlauben. Der Übergang zu einem solchen modalen Preissystem solle nach Möglichkeit in einem großen Schritt erfolgen, um möglichen Pfadabhängigkeiten sowie politischen Unsicherheiten vorzubeugen.

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