24.11.2023 Ariadne

CO₂-Abgaben belasten Privatleute nicht übermäßig

Wer heute in eine neue Heizung oder ein neues Auto investiert, sollte zweimal hinschauen, welche Folgekosten entstehen können. Denn das Emissionshandelssystem für Wärme und Verkehr bringt Verteuerungen mit sich. Die neue Ariadne-Analyse schlüsselt auf, wie sich die CO2-Abgaben auf den Geldbeutel der Menschen auswirken.

Das Bild zeigt gestapelte Geldmünzen, ein Modellauto sowie Hände, die mit Papier, Stift und Taschenrechner rechnen.
©Andrey Popov – stock.adobe.com

Ariadne-Forschende haben in ihrer neuen Analyse verschiedene Szenarien der CO2-Bepreisung betrachtet. Sie kommen zu dem Fazit, dass die CO2-Abgaben  Privathaushalte bis zur Mitte dieses Jahrhunderts nicht übermäßig belasten müssen. Eine Pro-Kopf-Rückverteilung der Einnahmen und Transparenz der Preisentwicklung vorausgesetzt. Wichtig sei demnach, dass Menschen verstehen, warum sie eine Entscheidung für Jahrzehnte treffen, wenn sie heute eine Heizung oder ein motorisiertes Fahrzeug neu kaufen. Es gilt also, nicht nur den Anschaffungspreis jetzt, sondern auch die Folgekosten in den Fokus zu rücken. Einen zusätzlichen Anreiz schaffen gezielte finanzielle Unterstützungen einkommensschwacher Haushalte, um ihnen den Technologiewechsel zu erleichtern.

Die Forschenden vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Universität Stuttgart analysieren umfassend die Verteilungswirkung der CO2-Bepreisung für Deutschland. Darüber hinaus entwickeln sie dafür einen methodischen Ansatz, der erstmalig die Untersuchung in der langen Frist ermöglicht. Dazu verknüpfen sie Ergebnisse aus dem Energiesystemmodell TIMES PanEU mit sozio-ökonomischen Merkmalen aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) der Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Ziel ist, verschiedene CO2-Preis-Szenarien für Privathaushalte bis 2050 zu analysieren. Dabei lässt sich nicht nur die Belastung durch den CO2-Preis basierend auf dem Status Quo berechnen. Auch der Einfluss von privaten Investitionen in Grüne Technologien - etwa Elektroautos oder Wärmepumpe - lässt sich berechnen.

Klimageld und Kommunikation üben großen Einfluss aus

In den betrachteten Szenarien zeichnen die Ariadne-Fachleute Be- und Entlastung verschiedener Einkommensgruppen zu unterschiedlichen Zeiten nach. Ohne eine Rückverteilung der Einnahmen aus dem CO2-Preis in Form einer Pro-Kopf-Pauschale, auch bekannt als „Klimageld“ , wirken sich CO2-Abgaben zunächst regressiv aus. Die Belastung durch einen frühzeitig hohen CO2-Preis führt jedoch auch zu schnelleren Technologieanpassungen in den Haushalten, sodass sich die ungleiche Belastung bis 2050 ausgleicht und im Mittel bei null liegt, wenn im Idealfall nur noch wenige Haushalte im Bereich Wärme und Mobilität CO2-Emissionen verursachen. In allen Preisszenarien trägt eine Rückverteilung dazu bei, die zunächst regressive Verteilungswirkung abzufedern. Am stärksten entlastet werden einkommensschwache Haushalte 2030 in Szenarien mit einem hohen CO2-Preis (der ab 2030 von 135 EUR auf 415 EUR bis 2050 steigt) – und einer Rückverteilung der Einnahmen durch ein Klimageld –, während die einkommensstärksten Haushalte zu diesem Zeitpunkt weiterhin netto belastet werden.

Diese Annahmen setzen voraus, dass alle Einkommensgruppen die Transformation zur Klimaneutralität mittragen und dabei unterstützt werden. Dazu gehört neben der Rückverteilung der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung auch eine klare politische Kommunikation über die CO2-Preisentwicklung und ihre finanziellen Auswirkungen.

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