21.07.2021 Ariadne

So denkt die deutsche Bevölkerung über die Energie- und Verkehrswende

Ob die Umgestaltung des Energie- und Verkehrssystems gelingen wird, hängt nicht nur von technologischen und politischen Faktoren ab, sondern auch stark von der Akzeptanz in der Gesellschaft. Laut einer repräsentativen Befragung des Kopernikus-Projekts Ariadne steht die Mehrheit der Deutschen hinter der Transformation, aber etwa der Hälfte geht sie zu langsam. Diese und weitere Ergebnisse des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers 2021 sind ab sofort online verfügbar.

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Das Kopernikus-Projekt Ariadne befragt jährlich mehr als 6.800 Menschen quer durch Deutschland, um herauszufinden, wie die deutschen Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Energie- und Verkehrswende eingestellt sind (Bild: Kopernikus-Projekt Ariadne).

Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer zeigt: Die Menschen in Deutschland sind grundsätzlich bereit, die Energiewende zu unterstützen und dabei auch selbst Verantwortung zu übernehmen. So sehen fast 80 Prozent der Befragten die Transformation als Gemeinschaftsaufgabe. Eine große Mehrheit unterstützt Technologien für Erneuerbare Energien – sei es Solar- und Windenergie, Wasserstoff oder auch die Nutzung von Biomasse. Das Interesse an einem individuellen Engagement reicht von der Ökostrom-Nutzung bis hin zu einer Beteiligung an Erneuerbaren-Energien-Anlagen, die sich in Bürgerhand befinden.

Auch im Bereich Mobilität sind die Bürgerinnen und Bürger bereit, sich zu verändern: Die Anschaffung eines Elektro-Autos können sich beispielsweise 47 Prozent vorstellen, die Hälfte würde sogar gerne mehr Wege zu Fuß oder auf dem Rad zurücklegen. Gleichzeitig machen die Befragten aber deutlich: Der Wandel soll bezahlbar bleiben und auf Mobilität wollen sie nicht gänzlich verzichten.

Neben dem großen Zuspruch hat die Umfrage also auch durchaus kritische Stimmen eingefangen. Mehr als die Hälfte der Menschen hält die Umsetzung der Energiewende beispielweise für teuer oder bürgerfern und wünscht sich dabei mehr Tempo. Mehr als ein Drittel sieht die Bürokratie als wesentlichen Bremsklotz. Zudem müssten die gesellschaftlichen Auswirkungen mitgedacht werden: Vor allem sozial Schwache müssten vor zu hoher Belastung geschützt, die Verursacher des Klimawandels dafür stärker in die Verantwortung genommen werden. Fast die Hälfte beklagt, dass die Kosten der Energiewende zwischen den unterschiedlichen Einkommensgruppen ungerecht verteilt würden.

Ortwin Renn, Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS):

„Bei allen gegebenen Ambivalenzen und Unzufriedenheiten: Dass die Menschen in Deutschland die Notwendigkeit der Energiewende bejahen, notwendige Schritte auch mittragen wollen und bereit sind, Belastungen in Maßen zu akzeptieren, sind positive Zeichen, die von der Politik jetzt auch als Ermutigung für einen effektiven Klimaschutz gesehen werden können. Die Energiewende kann nur zusammen mit der Gesellschaft gelingen. Für den Erfolg der Energie- und Verkehrswende gilt es dabei nicht nur motivierende Formen der Bürgerbeteiligung einzuplanen, sondern auch soziale Fairness und Gerechtigkeit, Augenmaß und Verhältnismäßigkeit im Blick zu behalten.“

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Kopernikus-Projekt Ariadne befragt jährlich mehr als 6.800 Menschen quer durch Deutschland, um herauszufinden, wie die deutschen Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Energie- und Verkehrswende eingestellt sind. Das IASS erhebt die Daten gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa. Die ersten Ergebnisse des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers 2021 sind ab sofort unter ariadneprojekt.de online abrufbar.

Ingo Wolf, Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS):

„Wir wollen mit dem Nachhaltigkeitsbarometer nicht einfach nur ein Stimmungsbild der Bevölkerung zur Energiewende einfangen, sondern kontinuierlich ihre Einstellung und Erwartungen zu konkreten politischen Klimaschutzmaßnahmen erfassen. Durch die jährlich wiederkehrende Erhebung können wir ein umfassendes Bild zu bestehenden und neu aufkommenden Herausforderungen, Problemen und Handlungsbedarfen in den unterschiedlichen Lebensbereichen der Menschen geben. Die Ergebnisse sollen dazu dienen, die politische Entscheidungsfindung und Prioritätensetzung zu unterstützen.“

Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer ist Teil eines umfassenden Dialogprozesses mit der Zivilgesellschaft, der im Herbst 2020 mit Fokusgruppen zu Strom- und Verkehrswende gestartet ist und über die gesamte Projektlaufzeit von Ariadne in Workshops, Bürgerkonferenzen und -gipfeln weitergeführt wird. Werte und Erfahrungen der zufällig ausgewählten Teilnehmenden zu energie- und verkehrspolitischen Themen sind in die Entwicklung des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers mit eingeflossen. Die Ergebnisse der Panelbefragung werden wiederum in einem nächsten Schritt in der Diskussion von Politikoptionen zur Strom- und Verkehrswende im Rahmen der Bürgerdeliberation Berücksichtigung finden.

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