21.07.2022 Ariadne

Wasserstoff: kein schneller Retter, eher langfristiger Partner

Ukraine-Krieg und dramatisch hohe Erdgas-Preise steigern das Interesse an Grünem Wasserstoff. Aber ist dieser bereits wettbewerbsfähig und schnell genug verfügbar, um in der aktuellen Krise zu helfen? Dies beantworten Forschende des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung und der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie in einer neuen Ariadne-Analyse.

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©studio v-zwoelf – stock.adobe.com

Ein erstes Ergebnis der Ariadne-Forschenden klingt vielleicht etwas ernüchternd: Grüner Wasserstoff kann zur Bewältigung der akuten Energiekrise in den nächsten Jahren nur einen geringen Beitrag leisten. Gründe hierfür sind vor allem die Herausforderungen und Grenzen eines schnellen Hochlaufs von Elektrolysekapazität, fehlende Infrastruktur sowie der zusätzliche Bedarf an Strom aus Erneuerbaren Quellen. Mit der Krise werden alle Alternativen zu Erdgas wichtiger, wobei die Bedeutung von kurzfristig verfügbaren und energieeffizienten Optionen sowie ein beschleunigter Ausbau von Windkraft und Photovoltaik in besonderem Maße zunehmen.

Die Autoren stellen aber auch fest, dass in der Krise eine Chance für Wasserstoff liegt: Aufgrund der gestiegenen Energiepreise erscheinen erste rein wettbewerbliche Business Cases für Wasserstoff am Horizont, da sich die Wirtschaftlichkeitslücke von Grünem Wasserstoff schon in den nächsten Jahren reduzieren könnte. Bei steigenden CO2-Preisen kann Grüner Wasserstoff bereits Anfang der 2030er Jahre konkurrenzfähig mit Erdgas werden und dann einen wachsenden Beitrag zur Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern leisten.

Dennoch gilt weiterhin: Der Markthochlauf von Grünem Wasserstoff ist kein Selbstläufer. Um die äußerst ambitionierten 2030-Ziele für die Elektrolysekapazität in Reichweite zu halten, muss der Hochlauf jetzt durchstarten. Auch wenn Wasserstoff in der aktuellen Krise nicht „der“ Retter ist, sollte bereits heute Investitionssicherheit für Grünen Wasserstoff geschaffen werden, indem steigenden CO2-Preise von politische Maßnahmen flankiert werden. Bei den Förderinstrumenten für Wasserstoff sowie bei der Bewältigung der Energiekrise bedarf es einer Gesamtstrategie, wie sich zukünftig globale Wertschöpfungsketten so gestalten, dass sie sowohl Klima- und Industriepolitik als auch Entwicklungs- und Geopolitik integrieren.

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