03.08.2026 Ariadne
Wie die Energiewende die EU wettbewerbsfähiger machen kann
Europas Klimapolitik steht vor einer schwierigen Doppelaufgabe: Die Treibhausgasemissionen sollen sinken, zugleich muss die Industrie wettbewerbsfähig bleiben. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, schwankende Energiemärkte und der Wunsch der EU nach größerer Unabhängigkeit bei wichtigen Technologien und Rohstoffen. Ein neues Ariadne-Hintergrundpapier zeigt, wo die europäische Klima- und Energiepolitik nachgeschärft werden sollte.
An der Erarbeitung des Ariadne-Hintergrunds waren unter anderem Fachleute des Ecologic Institute, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität Stuttgart beteiligt. Ihr Ausgangspunkt: Klimaschutz gelingt nur, wenn Unternehmen und private Haushalte verlässlich planen können. Wer investiert, braucht verlässliche Orientierung.
Nach Einschätzung der Forschenden ist der europäische Regelungsrahmen zu unübersichtlich. Nationale und europäische Planungen werden zu wenig abgestimmt, Verfahren sind kompliziert, Zuständigkeiten verteilt. Das Papier fordert deshalb, Regeln besser zu ordnen und die Transformation effizienter zu steuern. Die verbindliche Wirkung des Klimarechts dürfe dabei jedoch nicht geschwächt werden.
Auch die Finanzierung spielt eine zentrale Rolle. Viele klimafreundliche Investitionen verursachen zunächst hohe Kosten, während sich ihre Vorteile erst später zeigen. Private Haushalte sollen deshalb gezielt entlastet werden. Gleichzeitig müsse der Staat genug Spielraum behalten, um in risikoreiche Schlüsseltechnologien zu investieren. Ergänzend empfehlen die Forschenden eine Industriepolitik, die nicht allein auf den CO2-Preis setzt. Sie soll Risiken begrenzt übernehmen und die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen für saubere Technologien absichern.
Europäischer Emissionshandel bleibt Kerninstrument
Der europäische Emissionshandel bleibt nach dem Papier das wichtigste Instrument der Klimapolitik. Unternehmen benötigen Zertifikate für ihren CO2-Ausstoß. Deren Gesamtmenge wird schrittweise reduziert. Entscheidend sei, dass Stellschrauben wie die Marktstabilitätsreserve und der jährliche Abbau der Zertifikatsmenge gut aufeinander abgestimmt werden. Auch der CO2-Grenzausgleich müsse verbessert werden. Er soll verhindern, dass Importe aus Ländern ohne vergleichbaren CO2-Preis einen Vorteil erhalten. Zugleich sehen die Forschenden Nachteile für europäische Exporteure und mögliche Schlupflöcher.
Schließlich verweist das Ariadne-Hintergrundpapier auf die Energieinfrastruktur. Für ein klimaneutrales Europa braucht es grenzüberschreitend geplante Netze und abgestimmte Investitionen. Derzeit bremsen unterschiedliche nationale Planungs- und Genehmigungsverfahren Projekte aus. Ohne klarere Gesetze und eine engere Abstimmung zwischen EU und Mitgliedstaaten drohen Fehlinvestitionen und Nachteile im internationalen Wettbewerb.
Die zentrale Botschaft lautet: Klimaschutz, Industriepolitik und Investitionssicherheit dürfen nicht getrennt betrachtet werden. Nur wenn Regeln, Finanzierung und Infrastruktur zusammenpassen, kann die EU Emissionen senken und zugleich wirtschaftlich widerstandsfähig bleiben.