02.04.2026 Ariadne
Energiekrise: Mit gezielten Entlastungen die Energiewende unterstützen
Steigende Energiepreise belasten das Budget privater Haushalte und der Industrie. Staatliche Maßnahmen können eine Entlastung bringen, gleichzeitig aber auch die Nutzung fossiler Energien zementieren. Das neue Ariadne-Kurzdossier zeigt, welche Maßnahmen Haushalte und Unternehmen tatsächlich entlasten, ohne künftige Krisen zu begünstigen.
Deutschland importiert etwa zwei Drittel seines Primärenergieverbrauchs und ist dadurch besonders anfällig für Preisanstiege auf den internationalen Energiemärkten. Der Staat hat grundsätzlich drei Möglichkeiten, um Belastungen durch hohe Energiepreise zu dämpfen:
- Allgemeine, schuldenfinanzierte Maßnahmen.
Diese Maßnahmen, wie progressive Steuersenkungen oder Transferzahlungen, können gezielt Haushalte mit geringem oder mittlerem Einkommen entlasten. Allerdings adressieren sie nicht den tatsächlichen Energieverbrauch und geben damit keinen Anreiz, Energie zu sparen. - Steuer- und Abgabensenkungen auf fossile Energieträger.
Steuersenkungen auf fossile Energieträger wiederum entlasten stark betroffene Haushalte, führen jedoch im schlimmsten Fall zu einem Überkonsum, weil der Anreiz fossile Energien zu sparen abgeschwächt wird. Zudem wird ein Teil der Entlastung an internationale Öl- und Gasproduzenten weitergegeben und kommt nicht vollständig bei den Verbrauchern an. Als Folge daraus steigen internationale Verkaufspreise von Öl und Gas und Exporteure, so auch Russland, generieren zusätzliche Einnahmen. - Pauschalisierte Transfers an Haushalte.
Pauschalisierte Transferzahlungen können – im Vergleich zu einkommensabhängigen Zahlungen – gewährleisten, dass die Unterstützung stärker an den tatsächlichen Belastungen der Haushalte ausgerichtet ist. Sie erhalten zugleich die Preissignale am Energiemarkt und damit die Anreize zum Energiesparen, sind allerdings mit einem erheblichen administrativen Aufwand verbunden. Ein Beispiel ist die Gaspreisbremse von 2022/23, bei der sich die Höhe der Leistung nach dem Vorjahresverbrauch richtete. Beim Kraftstoffverbrauch im Straßenverkehr wäre das jedoch schwer umsetzbar, weil dort der Vorjahresverbrauch nicht ohne Weiteres beobachtet werden kann.
Bei der letzten Energiekrise 2022/2023 betrugen die Kosten staatlicher Entlastungsmaßnahmen infolge hoher Erdgaspreise zwischen 55 und 187 Milliarden Euro. Die Maßnahmen glichen laut Forschenden des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung, der Universität Potsdam, dem ifo Institut und der Universität Würzburg einer impliziten staatlichen Versicherung. Sie schaffen kurzfristige Entlastungen, die jedoch von allen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern getragen werden müssen. Und: Sie reduzieren privatwirtschaftliche Investitionsanreize in heimische Energieproduktion, Elektromobilität und Wärmepumpen.
Wie Entlastungen stattdessen die Energiewende voranbringen können
In dem neuen Kurz-Dossier empfehlen die Ariadne-Forschenden daher, Entlastungen mit einer Förderung fossilfreier Energieträger zu kombinieren. Etwa durch eine Senkung der Stromsteuer. Dadurch wird Strom günstiger und ein Umstieg auf Wärmepumpen wahrscheinlicher.
Allgemeine Transfers, wie die Energiepreispauschale von 2022, können Geringverdienende entlasten, ohne in die Preisbildung einzugreifen. Das Krisenrisiko bleibt damit bei Haushalten, die weiter fossile Energien nutzen. Zugleich sprechen sich die Forschenden dafür aus, solche Entlastungen nach der Krise über höhere Abgaben auf Erdgas und Erdöl zu refinanzieren. Dadurch würden diese mit dem Verursacherprinzip kombiniert und könnten langfristig eine Veränderung in den Investitionen bewirken.
Die Forschenden machen in ihrem Kurzdossier deutlich, dass Entlastungsmaßnahmen im Kontext fossiler Importabhängigkeit nur dann wirken können, wenn sie die richtigen Anreize setzen: nämlich fossile Energie einzusparen und die Dekarbonisierung voranzutreiben. Nachhaltige Entlastung können Haushalte und Unternehmen jedoch nur erfahren, wenn Deutschland mittels Erneuerbarer Energien in seiner Energieversorgung unabhängiger wird.
Fazit: Damit Entlastungen ankommen, ohne Fehlanreize zu setzen, werden diese Maßnahmen als besonders geeignet angesehen: 1. Stromsteuersenkung, 2. Entlastung von Geringverdienenden über allgemeine Transfers, 3. Koppelung von pauschalisierten Entlastungen und einer späteren Refinanzierung durch erhöhte Abgaben auf fossile Energieträger.