25.03.2026 Ariadne

Klimaschutz sichert Wohlstand und stärkt Europas Sicherheit

Was verhilft der Klimapolitik zu noch mehr Akzeptanz? Unter welchen Bedingungen lässt sich eine Neuverschuldung des Staates legitimieren? Diese Fragen beleuchtet ein neues Ariadne-Kurzdossier.

Das Bild zeigt ein Glühbirne auf dem Waldboden, um die herum mehrere Icons zum Themengebiet Klimaschutz zu sehen sind.
© Kannapat – stock.adobe.com

Die Bundesregierung plant für den Klimaschutz ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro ein. Doch lassen sich damit die Treibhausgas-Emissionen effektiv senken? Ohne substanziellen zusätzlichen Klimanutzen resultiert daraus vielmehr eine Doppelbelastung aus Schuldentilgung und den Kosten der Klimakrise. Wie dieses Dilemma adressiert werden kann, zeigen Ariadne-Forschende in ihrem Kurzdossier „Neue Strategien für Legitimität und Akzeptanz von Klimapolitik“.

Generationengerechte grün-goldene Regel

Ein zentraler Vorschlag ist die „grün-goldene Regel“ für generationengerechte Verschuldung. Sie könnte die zeitliche Schieflage zwischen heutigen Kosten und künftigem Nutzen der Klimapolitik auflösen, indem sie eine zusätzliche Schuldenaufnahme direkt an die Klimaziele knüpft.

„Die Höhe der erlaubten Neuverschuldung wird bei der grün-goldenen Regel durch den gesellschaftlichen Wert der vermiedenen Emissionen bestimmt. Sie begrenzt damit Fehlanreize und schützt zukünftige Generationen vor hohen Schulden ohne Gegenwert“, erklärt Maik Heinemann von der Universität Potsdam und Mit-Autor der Studie.

CO2-Reduktion positiv für Wohlstand, Sicherheit und Gesundheit

Hochrechnungen zeigen, dass weltweit pro vermiedener Tonne CO2 etwa 180 Euro an Klimaschäden eingespart werden könnten. Der Rückgang fossiler Brennstoffe sichert laut den Ariadne-Forschenden nicht nur langfristigen gesellschaftlichen Wohlstand, er stärkt auch die europäische Sicherheit, indem autoritäre Regime Finanzmittel für militärische Ausgaben verlieren. Allein die sicherheitspolitischen Folgekosten der Erdölnutzung werden auf 100 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Durch eine europäische Besteuerung fossiler Energieimporte stärkt die EU außerdem ihre Position auf globalen Energiemärkten. Dazu kommen positive Effekte auf das Gesundheitssystem, beispielsweise durch eine verbesserte Luftqualität.

Dialog mit Bevölkerung ermöglicht sozial gerechten Instrumenten-Mix

Das neue Kurzdossier bezieht sich auf einen kürzlich erschienen Ariadne-Report. Dieser hat gezeigt, dass erfolgreiche Klimapolitik Effizienz mit Gerechtigkeit verbinden sollte. Einzelne Leitkonzepte, wie die CO2-Bepreisung, Fördermittel oder das Ordnungsrecht, können das allein nicht gewährleisten. Denn Transformationskosten verteilen sich aufgrund verschiedener Faktoren ungleich innerhalb der Bevölkerung.

Deshalb heben die Autorinnen und Autoren des Kurzdossiers erneut die Bedeutung eines Gebäudeklimageldes oder einer Investitionsabgabe auf fossile Technologien hervor. Das Gebäudeklimageld wäre an individuelle Gegebenheiten von Wohnhäusern geknüpft und könnte Menschen mit geringem Einkommen entlasten, die in Gebäuden mit niedriger Energieeffizienz wohnen. Eine Investitionsabgabe dagegen würde als vorgelagerter CO2-Preis beim Neukauf einmalig auf den Grundpreis aufgeschlagen. Damit würde der Gebäudebestand von den ungleichen Kostenbelastungen befreit, die durch den europäischen Emissionshandel entstehen.

Die Forschenden legen auch dar, warum die Akzeptanz von Klimapolitik im Wesentlichen von gesellschaftlicher Teilhabe und Transparenz abhängt. Die Ariadne-Bürgerdeliberation hat gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger sich Lösungen wünschen, die einerseits diejenigen in die Verantwortung ziehen, die Emissionen verursachen (Verursacherprinzip) und andererseits nicht jene am stärksten belasten, die aufgrund ihrer Einkommensschwäche bereits benachteiligt sind. Der Dialog mit der Bevölkerung ermöglicht es, einen politischen Instrumenten-Mix auszudiskutieren, der über rein wirtschaftliche Kostenreduktion hinausgeht und berücksichtigt, was Bürgerinnen und Bürger als gerecht empfinden.

Mehr Transparenz schafft höhere Zustimmung zu einzelnen Maßnahmen

Eine weitere wichtige Botschaft des Kurzdossiers ist, dass die Zustimmung zu einzelnen klimapolitischen Maßnahmen erhöht werden kann, wenn man ihre Finanzierungskosten offenlegt.

„Wir beobachten, dass in der Bevölkerung eine starke Präferenz für Förderprogramme existiert“, erklärt Lisa Windsteiger, Mit-Autorin vom ifo-Institut. „Ein Experiment zeigt jedoch, dass Bürgerinnen und Bürger sich eher für den CO2-Preis aussprechen, wenn ihnen bewusst ist, dass Förderungen oft Steuererhöhungen zur Folge haben, um Subventionen möglich zu machen.“

Daraus schließen die Forschenden, dass starke Präferenzen für bestimmte klimapolitische Instrumente auch auf eine unklare Informationslage seitens der Bürgerinnen und Bürgern zurückgehen können.

Fazit: Klimaschutz sichert den langfristigen Wohlstand einer Gesellschaft; Menschen sind bereit, in begrenztem Umfang Belastungen durch Klimapolitik mitzutragen – und die Politik kann mit dem richtigen Instrumenten-Mix eine gesellschaftlich akzeptierte Klimawende möglich machen.

 

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