08.06.2026 Ariadne
Gebäudemodernisierungsgesetz: Effekte bei Nichtwohngebäuden
Büros, Kindertagesstätten, Supermärkte – viele Nichtwohngebäude haben großes Potenzial, Energiekosten zu sparen. Das zeigt ein neuer Ariadne-Report. Die Forschenden halten fest: Um die Effizienz auf die vorgesehenen Mindeststandards zu steigern, reichen in den meisten Gebäuden einfache Maßnahmen aus, die sich schnell refinanzieren.
Die EU-Gebäuderichtlinie schreibt ihren Mitgliedsstaaten vor, für einen effizienten Energieeinsatz in Nichtwohngebäuden künftig Effizienz-Anforderungen an Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer zu stellen. Bis 2030 sollen 16 Prozent der Gebäude mit dem größten Energieeinsparpotenzial modernisiert werden, bis 2033 ein Anteil von 26 Prozent. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz konkretisiert die Bundesregierung, welche Anforderungen daraus für Eigentümerinnen und Eigentümer von Nichtwohngebäuden in Deutschland entstehen. Der Ariadne-Report „Wirtschaftlich umsetzbare Energieeinsparungen realisieren durch Mindesteffizienzstandards für Nichtwohngebäude“ liefert hierzu wichtige Analysen und Einordnungen.
Von den insgesamt 22 Millionen beheizten Gebäuden in Deutschland sind 2 Millionen Nichtwohngebäude wie Büros oder Kindertagesstätten. Zwar machen Nichtwohngebäude nur rund neun Prozent der Gebäude aus, jedoch etwa ein Drittel der beheizten Nutzfläche – und damit ein Drittel des Energieverbrauchs inklusive emittierter CO2-Emissionen des Gebäudebestandes. Mit einer Sanierungsrate bei 0,7 Prozent pro Jahr herrscht in diesem Sektor jedoch eine geringe Investitionsdynamik. „Die Sanierung von Nichtwohngebäuden hilft nicht nur dem Klima, sondern ist auch eine Renditechance für Vermietende. Angebotsmieten bei Bürogebäuden mit Mindestenergieeffizienz liegen rund zwei Euro höher als bei Gebäuden ohne solche Standards“, erklärt Malte Bei der Wieden vom Öko-Institut, Hauptautor der Studie.
Mindesteffizienzstandards als Sicherheitsnetz für Klimaziele
Die Ariadne-Forschenden des Öko-Instituts und des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigen, dass Sanierungsvorgaben den Politik-Mix sinnvoll ergänzen können. Spüren Eigentümerinnen und Eigentümer die finanziellen Vorteile durch eine energieeffizientere Energieversorgung ihres Gebäudes, zum Beispiel durch eine Wärmepumpe, braucht es keinen zusätzlichen Druck durch Mindestenergieeffizienzstandards. Sobald organisatorische, finanzielle oder informative Barrieren vorherrschen, können die Standards jedoch einen wichtigen Anstoß geben. Beispielsweise bei Vermietenden, die bei einem Heizungsaustausch in erster Linie die Investition tragen, jedoch nicht davon profitieren.
Interviews mit Fachleuten legen offen, dass die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen vor allem an hohen Investitionskosten und begrenzten Budgets scheitert. Im Fall von Kindertagesstätten hätten Träger dazu häufig wenig Anreiz, in Sanierungen zu investieren, da sie in der Regel nicht Eigentümer der Gebäude sind. „Gleichzeitig setzen viele Eigentümer auf schrittweise Modernisierungsmaßnahmen, die sich mit dem laufenden Betrieb vereinbaren lassen“, erklärt Ralph Henger vom Institut der deutschen Wirtschaft, Mit-Autor der Studie. „Grundsätzlich unterstützen Mindesteffizienzstandards ein solches Vorgehen und wirken wie eine Sicherheitsnetz, um nicht-ökonomische Hemmnisse zu überwinden, die nicht durch eine CO2-Bepreisung oder andere Marktinstrumente überwunden werden können.“
Ein Politik-Mix, mit dem sich die Dekarbonisierung des Gebäudesektors finanziell für alle lohnt, ist eine große Herausforderung. Die Mindestanforderungen an Energieeffizienz aus dem Gebäudemodernisierungsgesetz können innerhalb der Wärmewende als letzte Instanz sicherstellen, dass Klimaneutralität bei Investitionsentscheidungen berücksichtig wird.