14.09.2026 Ariadne

Klimaschutz stärkt Deutschlands Wirtschaft und Sicherheit

Klimaschutz ist nicht nur gut für die Umwelt: Er kann Deutschland unabhängiger von Energieimporten machen, die heimische Wirtschaft schützen und die Sicherheit stärken. Auch Investitionen in Klimaschutz außerhalb Europas können sich für Deutschland auszahlen. Ein neues Kurzdossier des Kopernikus-Projekts Ariadne zeigt, wie internationale Klimapolitik deutsche Interessen stärken kann.

Das Bild zeigt internationale Flaggen vor blauem Himmel in einer extremen Aufsicht von unten an den Fahnenstangen.
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Wer Klimaschutz vor allem als Kostenfaktor betrachtet, übersieht einen Teil der Rechnung. Deutschland und die EU können auch wirtschaftlich und sicherheitspolitisch von einer konsequenten Klimapolitik profitieren. Zu diesem Ergebnis kommen Ariadne-Forschende vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der Hertie School, dem Ecologic Institute, der Stiftung Wissenschaft und PolitikClimate Transition Economics und Adelphi.

Sie haben hierfür Klimapolitik aus einer ungewohnten Perspektive untersucht und sind zentral folgender Frage nachgegangen: Welche Maßnahmen schützen nicht nur das Klima, sondern stärken zugleich die strategischen Interessen Deutschlands und Europas? 

Weniger fossile Importe bedeuten mehr Unabhängigkeit

Ein zentraler Hebel liegt beim Import fossiler Energieträger. Deutschland kauft einen großen Teil seines Öl- und Gasbedarfs im Ausland und macht sich damit abhängig von Lieferstaaten und schwankenden Weltmarktpreisen. Erneuerbare Energien können diese Abhängigkeit verringern.

Wenn die weltweite Nachfrage nach fossilen Energieträgern sinkt, geraten zudem deren Preise und damit die Einnahmen der Exportländer unter Druck. Für Deutschland als Importland kann das von Vorteil sein. Gleichzeitig verlieren Staaten wie Russland Einnahmen, mit denen sie unter anderem Kriegskosten finanzieren. „Weil Klimapolitik zunehmend auch Wirtschafts- und Sicherheitspolitik tangiert, kann sie in diesen Bereichen als Hebel dienen“, sagt Marian Feist von der Hertie School. Deutschland sollte aus seiner Sicht bestehende Abhängigkeiten stärker durch Partnerschaften ersetzen, die beiden Seiten nutzen.

Klimaschutz im Ausland kann Deutschland selbst nützen

Eine weitere zentrale Erkenntnis: Deutschland und die EU haben ein eigenes Interesse daran, Emissionen auch außerhalb Europas zu senken. Für das Klima spielt es keine Rolle, an welchem Ort eine Tonne CO₂ in die Atmosphäre gelangt. Jede vermiedene Tonne begrenzt deshalb auch Klimaschäden, die Deutschland und Europa treffen können.

Das kann Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen im Ausland wirtschaftlich sinnvoll machen – insbesondere dort, wo sich Emissionen vergleichsweise günstig reduzieren lassen. Und das verhindert auch Klimafolgenschäden im Inland: „Die Kosten, die in der EU pro Tonne CO2 gespart werden können, belaufen sich auf circa 34 Euro. Das ist nur ein zusätzlicher Vorteil zu den vermiedenen ökonomisch nicht bezifferbaren menschlichen Schäden, die ihrerseits Krisen, Konflikte und Migration zur Folge haben“, sagt Ole Adolphsen von der Stiftung Wissenschaft und Politik, Hauptautor der Studie..

Ariadne untersucht deshalb, wie Deutschland und die EU andere Staaten wirksam zu mehr Klimaschutz bewegen können – und wie sie dabei zugleich ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen und Klimaziele schützen.

Klimaschutz und wirtschaftliche Interessen zusammendenken

Dazu analysieren die Forschenden verschiedene politische Instrumente. Ein Beispiel ist der europäische CO2-Grenzausgleich CBAM. Er soll verhindern, dass Unternehmen außerhalb Europas allein deshalb günstiger produzieren können, weil dort geringere CO2-Kosten anfallen. Der Grenzausgleich versieht bestimmte emissionsintensive Importe mit einem CO2-Preis und soll so Nachteile für europäische Unternehmen ausgleichen, die hier für ihre Emissionen zahlen müssen.

Das schützt europäische Unternehmen vor Wettbewerbsnachteilen und schafft zugleich einen Anreiz für Produzenten außerhalb Europas, klimafreundlicher zu wirtschaften. Außerdem sinkt das Risiko, dass Unternehmen ihre Produktion in Länder mit weniger strengen Klimaregeln verlagern.

Weitere Ansatzpunkte und weniger Abhängigkeiten

Bei der internationalen Klimafinanzierung sehen die Forschenden Möglichkeiten, Mittel gezielter einzusetzen. Ein vorgeschlagener „Jurisdictional Reward Fund“ würde beispielsweise nicht einzelne Projekte fördern, sondern Regierungen für nachweisbare Emissionsminderungen in größerem Maßstab belohnen. Bestehende Kooperationen wie die Partnerschaften für eine gerechte Energiewende (Just Energy Transition Partnerships, JETPs) oder Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens können dafür einen Rahmen bieten.

Gleichzeitig darf Deutschland alte Abhängigkeiten nicht durch neue ersetzen. Für Windkraft, Photovoltaik, Batterien und andere klimafreundliche Technologien braucht Europa Rohstoffe und Komponenten aus internationalen Lieferketten. Die Forschenden empfehlen deshalb, Bezugsquellen breiter aufzustellen, strategische Reserven aufzubauen und verlässliche Partnerschaften zu pflegen.

Auch bei internationalen Klimabündnissen plädiert das Forschungsteam für einen gezielten Einsatz der verfügbaren Mittel. Globale Klimaziele können weiterhin unter dem Dach der UN-Klimarahmenkonvention stehen. Konkrete Maßnahmen könnten kleinere Bündnisse von Staaten mit ähnlichen Interessen jedoch häufig wirkungsvoller umsetzen. Deutschland sollte sich deshalb auf besonders erfolgversprechende Kooperationen konzentrieren und zugleich wichtige Beziehungen etwa zu den USA, China und Indien aufrechterhalten.

Das Ariadne-Kurzdossier (s. r.) fasst die zentralen Erkenntnisse des ausführlichen wissenschaftlichen Papers (ebenfalls Download r.) zusammen.

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