23.10.2026 Ariadne
Investitionen: Risiken minimieren, Nutzen steigern
Ein Euro Förderung kann einen wirtschaftlichen Nutzen von 3,40 Euro bringen. Wie das funktioniert, zeigt eine neue Ariadne-Analyse: Wenn staatliche Förderverträge die Einnahmen von Windparks berechenbarer machen, sinken die finanziellen Risiken für Investoren. Das senkt die Finanzierungskosten – und macht Strom aus Erneuerbaren günstiger. Entscheidend ist dabei vor allem, wie die Verträge ausgestaltet sind.
Wer einen Wind- oder Solarpark baut, muss zunächst viel Geld investieren. Ob sich die Investition lohnt, hängt davon ab, wie viel Strom die Anlagen künftig erzeugen und welche Preise sie dafür erzielen. Beides lässt sich nur begrenzt vorhersagen: Die Stromerzeugung hängt von Wetter und Tageszeit ab, die Strompreise verändern sich mit Angebot und Nachfrage. Das erhöht die finanziellen Risiken und verteuert die Finanzierung.
Weniger Risiko, mehr Profit
Langfristige staatliche Förderverträge können zumindest das Preisrisiko begrenzen. Sogenannte Differenzverträge (Contracts for Difference, kurz CfDs) sichern die Einnahmen der Betreiber gegen schwankende Strompreise ab. Bei einem klassischen zweiseitigen Differenzvertrag gleicht die öffentliche Hand beispielsweise die Differenz zu einem vereinbarten Referenzpreis aus, wenn der Marktpreis darunter liegt. Steigt der Marktpreis darüber, zahlt der Betreiber die Differenz zurück. So lassen sich die Einnahmen besser kalkulieren. Für Banken und andere Geldgeber sinkt das Risiko, weshalb sie günstigere Finanzierungskonditionen anbieten können.
Wie groß dieser wirtschaftliche Vorteil ist, haben Forschende der Hertie School im Kopernikus-Projekt Ariadne untersucht. Ihr Ergebnis: Der größte Nutzen von Differenzverträgen liegt nicht in den staatlichen Zuschüssen selbst, sondern darin, dass sie Investitionsrisiken verringern. Die wirksamsten Vertragsmodelle schließen allein durch niedrigere Finanzierungskosten 60 bis 70 Prozent der Lücke zwischen den Markterlösen und den Projektkosten. Die Forschenden schätzen, dass jeder Euro an gezahlter Förderung mit 2,40 Euro geringeren Finanzierungskosten einhergeht. Zusammen entspricht das einem wirtschaftlichen Nutzen von 3,40 Euro.
Drei Vertragsmodelle im Vergleich
Für ihre Analyse haben die Forschenden im Kontext Windparks drei Varianten untersucht: einseitige Differenzverträge, zweiseitige Differenzverträge und einen vergleichsweise neuen Ansatz, den „Financial CfD“.
Als Datengrundlage dienten ihnen die stündlichen Stromerzeugungsdaten von 63 Windparks an Land in Deutschland aus den Jahren 2014 bis 2023. Dabei haben sie die Erzeugung bis auf die Ebene einzelner Windkraftanlagen ausgewertet. Anschließend berechneten sie mithilfe eines Projektfinanzierungsmodells, wie sich die verschiedenen Vertragsarten auf die Investitionsrisiken, die Finanzierungskosten und letztlich auf die Kosten des erzeugten Stroms auswirken.
Entscheidend ist die Gestaltung der Verträge
Die Ergebnisse zeigen: Ob ein gut gestalteter Differenzvertrag existiert, ist wichtiger als die Frage, um welche Vertragsart es sich handelt. Solche Verträge können die Stromgestehungskosten – also die durchschnittlichen Kosten, um eine Megawattstunde Strom zu erzeugen – um etwa 30 bis 45 Prozent senken. Besonders interessant ist dabei der „Financial CfD“. Anders als bei herkömmlichen zweiseitigen Differenzverträgen bleiben die Stromerzeuger bei diesem Modell weiterhin den Marktpreisen ausgesetzt. Trotzdem kann es Investitionsrisiken ebenso wirksam verringern wie ein klassischer zweiseitiger Differenzvertrag oder sogar besser abschneiden.
Das zeigt: Berechenbarere Einnahmen und die Orientierung am Strommarkt müssen sich nicht widersprechen. Förderverträge können Investoren vor Preisrisiken schützen, ohne gleichzeitig die Anreize zu schwächen, auf die Signale des Strommarktes zu reagieren.
Bessere Verträge statt höherer Zuschüsse
Je mehr Erneuerbare Energien zur Stromversorgung beitragen, desto wichtiger wird es, günstige Investitionsbedingungen zu schaffen und die Anlagen zugleich gut in den Strommarkt einzubinden. Wie viel die Vertragsgestaltung dabei ausmacht, zeigt ein weiteres Ergebnis der Ariadne-Analyse: Selbst wenn Investitionen die gleiche Rendite erzielen, können sich die öffentlich finanzierten Zuschüsse je nach Vertragsmodell um bis zu 22 Euro pro Megawattstunde unterscheiden.
Für die Energiepolitik ergibt sich daraus eine wichtige Schlussfolgerung: Statt die Förderbeträge zu erhöhen, kann es wirtschaftlich sinnvoller sein, die Verträge gezielt zu verbessern. So lassen sich Investitionen in Erneuerbare Energien absichern und zugleich die Kosten für die Öffentlichkeit senken.