26.02.2021 Ariadne

Was Bürger bei der Energiewende bewegt: Ariadne veröffentlicht erste Ergebnisse der Bürgerbeteiligung

Welche Vorstellungen und Ziele sind Menschen bei der Umsetzung der Energiewende wichtig? Im Kopernikus-Projekt Ariadne haben Bürgerinnen und Bürger darüber diskutiert – Schwerpunkte lagen dabei auf Verkehrs- und Stromwende. Die Ergebnisse der Fokusgruppen sollen dazu beitragen, verschiedene Sichtweisen zum Thema Energiewende in Politikinstrumente zu übertragen. 

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©Alex from the Rock - stock.adobe.com

Vom ÖPNV bis hin zum Netzausbau, von Stromkosten bis hin zum Arbeitsplatz: Die Energiewende betrifft den Alltag aller Menschen. Die Politik steht deshalb vor der Herausforderung, unterschiedliche Sichtweisen und Bedürfnisse in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Durch verschiedene Formate der Bürgerbeteiligung untersucht das Kopernikus-Projekt Ariadne deshalb, welche Sichtweisen und Positionen Bürgerinnen und Bürger zu Themen der Energiewende haben – und welche politischen Instrumente damit vereinbar sind.

Dabei nutzt Ariadne unter anderem qualitative Forschungsmethoden wie Fokusgruppen-Interviews, in denen sich Teilnehmer in moderierten Gruppendiskussionen austauschen. Mit neun solcher Fokusgruppen ist letztes Jahr die Bürgerbeteiligung im Kopernikus-Projekt Ariadne gestartet: Quer durch die Bundesrepublik diskutierten rund 90 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger bei digitalen Treffen, was ihnen bei der Verkehrs- und Stromwende wichtig ist. Die Ergebnisse der Fokusgruppen sind jetzt in einem neuen Ariadne-Report erschienen.

Bürger wünschen sich mehr Mitsprache und Beteiligung bei der Stromwende

„Die Menschen bewegte zum Beispiel die Frage, wer sich dafür verantwortlich fühlen soll, dass wir das gesetzte Klimaziel erreichen und wie Belastungen sozial gerecht verteilt werden können“, erklärt Arwen Colell, Mit-Autorin des Berichts und Policy Analystin am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC Berlin). „In den Diskussionen wurden ganz unterschiedliche Ziele formuliert, die die Rolle des Staats betreffen, aber auch das Spannungsfeld von individueller Verantwortung und persönlicher Freiheit.“

Mehr Mitspracherecht bei der Auswahl neuer Technologien und der Lastenverteilung erwarteten die Teilnehmenden zum Beispiel bei der Stromwende. Ging es dagegen um Mobilität, sei aus ihrer Sicht eher die Politik dafür verantwortlich, dass Infrastrukturen geschaffen werden, damit etwa der Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel attraktiver wird.

Werte-Landkarten helfen bei der Orientierung der Handlungspfade

Die Ergebnisse der Fokusgruppenarbeit sind Grundlage für die weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung. In verschiedenen „Werte-Landkarten“ werden die Aussagen der Menschen nach Werten, Argumenten und Zusammenhängen geordnet, um anhand der so entstandenen Kartierung von Handlungspfaden die Entwicklung von möglichen Klimaschutzinstrumenten in der Zukunft zu erleichtern.

Der Ariadne-Report bildet den Auftakt eines Deliberationsprozesses, der sich durch den gesamten Projektzeitraum ziehen wird. Bei einem solchen Prozessen begegnen sich Menschen, um unterschiedliche Sichtweisen und Argumente auszutauschen. Neben Workshops und Bürgerkonferenzen arbeitet Ariadne auf einen Bürgergipfel zu, bei dem in etwa zwei Jahren Erkenntnisse des Projekts von Bürgerinnen und Bürgern im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert werden.

Bürger geben Empfehlungen? Ariadne geht mit ihnen noch einen Schritt weiter

Die Sichtweisen von Bürgerinnen und Bürgern und die wissenschaftliche Forschung zur Energiewende werden im Kopernikus-Projekt Ariadne dann schrittweise zusammengebracht. Die Ariadne-Partner haben damit ein ganz neues Vorgehen im Sinn: Kontinuierlich sollen Erkenntnisse zu Werten und Zielen der Bürgerinnen und Bürger in Forschung und Modellierung von Szenarien eingebunden und analysiert werden, um der politischen Entscheidungsebene gewissermaßen einen 360-Grad-Blick auf Auswirkungen von Optionen und Instrumente zu ermöglichen.

Dass dabei mehr als eine Lösung zielführend sein kann, ist den Forschenden dabei wichtig. „Ariadne will niemanden überreden oder von einer bestimmten Option überzeugen, sondern vielmehr bei der Entwicklung von umsetzbaren Zukunftspfaden alle Perspektiven der Gesellschaft miteinfließen lassen“, erläutert Martin Kowarsch, Gruppenleiter am MCC Berlin und ebenfalls Autor des Berichts. „Wenn es unserem Forschungsprojekt gelingt, Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen mit- und ernst zu nehmen, können Deliberationsprozesse am Ende einen Beitrag zu einer sachlichen, gemeinwohlorientierten Debatte leisten“, so Kowarsch.