26.06.2026 SynErgie
Erweiterung des Energieflexibilitätsdatenmodells: eine gemeinsame Sprache für flexible Fabriken
Damit Industrieunternehmen ihr Energieflexibilitätspotenzial nutzen können, muss dieses kommunizierbar sein. Mit der neuen Version des Energieflexibilitätsdatenmodells aus dem Kopernikus-Projekt SynErgie wird die industrielle Flexibilität transparenter, nachverfolgbarer und besser nutzbar für automatisierte Anwendungen.
Industrieunternehmen können einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten, wenn sie ihren Stromverbrauch zeitlich anpassen: etwa indem sie Prozesse verschieben, Anlagen anders betreiben oder Speicher gezielt einsetzen. Damit diese Flexibilität aber nicht nur theoretisch vorhanden ist, sondern digital geplant, gesteuert und perspektivisch vermarktet werden kann, braucht es eine gemeinsame technische Sprache.
Genau hier setzt das im Kopernikus-Projekt SynErgie entwickelte Energieflexibilitätsdatenmodell, kurz EFDM, an. Es beschreibt standardisiert, welche energetischen Freiheitsgrade eine Maschine, Anlage oder ein Produktionssystem besitzt: Wie viel Leistung kann verändert werden? Für welchen Zeitraum? Unter welchen technischen Bedingungen? Mit welchen Einschränkungen?
Damit schafft das EFDM eine Grundlage, um Energieflexibilität nicht nur intern im Unternehmen sichtbar zu machen, sondern auch zwischen unterschiedlichen IT-Systemen, Plattformen und Energiemärkten kommunizierbar zu machen. Das ist entscheidend, weil industrielle Flexibilität nur dann skaliert, wenn sie nicht für jeden Anwendungsfall neu übersetzt werden muss.
So wurde das EFDM weiterentwickelt
Mit den Versionen 1.1 und 1.1.1 wurde das EFDM nun gezielt weiterentwickelt. Die neuen Funktionen basieren auf Erfahrungen aus praktischen Einsätzen und adressieren eine zentrale Frage: Wie lässt sich industrielle Flexibilität über ihren gesamten Einsatzprozess hinweg eindeutig beschreiben?
Drei Erweiterungen stehen dabei im Mittelpunkt:
1. Lebenszyklusstatus
Er macht sichtbar, in welchem Zustand sich eine Flexibilität gerade befindet. Ist ein Flexibilitätsraum verfügbar? Wurde er bereits angeboten? Ist er reserviert oder wird er gerade ausgeführt? Auch einzelne Maßnahmen können dadurch eindeutig nachverfolgt werden – von der Anfrage bis zum Abschluss. Das reduziert Missverständnisse und schafft die Grundlage für automatisierte Abläufe.
2. Nutzungskontext
Nicht jede theoretisch vorhandene Flexibilität lässt sich auch praktisch einsetzen oder vermarkten. Der neue Nutzungskontext hilft deshalb, zwischen technischem Potenzial und tatsächlich nutzbarer Flexibilität zu unterscheiden. Zusätzlich kann beschrieben werden, ob eine Flexibilität extern handelbar ist und ob dieser Handel automatisiert erfolgen kann.
3. Ausführungsprotokoll
Es dokumentiert, was bei einer konkreten Flexibilitätsmaßnahme tatsächlich passiert ist. Wurde die geplante Laständerung erreicht? Gab es Abweichungen? War die Anlage zuverlässig verfügbar? Diese Informationen sind wichtig, um Flexibilitäten künftig besser zu bewerten, zu verbessern und verlässlicher einzusetzen.
Mit diesen Erweiterungen rückt das EFDM näher an die Anforderungen realer industrieller Anwendungen heran. Es beschreibt nicht mehr nur, welche Flexibilität grundsätzlich vorhanden ist, sondern unterstützt auch deren Nutzung im operativen Prozess – von der Planung über die Vermarktung bis zur Auswertung.
Das EFDM wird kontinuierlich weiterentwickelt, in einem öffentlichen Git-Repository gepflegt und über Zenodo dauerhaft referenzierbar gemacht. Damit steht Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Softwareentwicklern eine offene Grundlage zur Verfügung, um industrielle Energieflexibilität standardisiert zu beschreiben und in digitale Energiesysteme einzubinden.