07.09.2026 Kopernikus-Projekte

Wie sieht erfolgreiche Wissenschaftskommunikation über die Energiewende aus?

Die Wanderausstellung Power2Change: Mission Energiewende war – zusammen mit dem Energiemobil – über vier Jahre in ganz Deutschland unterwegs. Neben den Besucherinnen und Besuchern haben auch die Ausstellungs-Verantwortlichen etwas gelernt. Sie geben ihre Erkenntnisse nun mit einem kostenlosen Buch an Interessierte weiter.

Das Bild zeigt einen Teil der Ausstellung
© Caroline Seidel

Die Energiewende. Ein komplexes Thema, bei dem in der Kommunikation an die Öffentlichkeit mehrere Hürden zu meistern sind. Einerseits ist es sehr abstrakt, die Lösungsansätze scheinen zu klein für die Größe des Problems Klimakrise, viele der Lösungen sind nicht haptisch greifbar und die Effekte liegen in der Zukunft. Andererseits wurde lange Zeit der Fokus auf das Privatleben der Menschen gelegt. Somit stand in der öffentlichen Diskussion nicht im Fokus, dass die Industrie einen Großteil der CO2-Emissionen verursacht. Weshalb die Energiewende hier sehr große Effekte verzeichnen kann. 

Das Verbundprojekt Wissenschaftskommunikation Energiewende hat es sich – in Zusammenarbeit mit den Kopernikus-Projekten – zur Aufgabe gemacht, genau bei diesen Problemen anzusetzen. Mittel der Wahl war es, eine inhaltlich kompetente sowie anschauliche und fesselnde Wanderausstellung mit Begleitprogramm zu entwickeln: Power2Change: Mission Energiewende.

Sie zielte auf die emotionale Ansprache der Besuchenden und die Förderung von Selbstwirksamkeit ab, statt auf reine Wissensvermittlung. Denn für den Erfolg der Energiewende sind neben politischer Bereitschaft auch Vertrauen und Beteiligung aus der Gesellschaft entscheidend. 

Seit Sommer 2022 stand die Wanderausstellung in 10 verschiedenen Ausstellungsorten in ganz Deutschland, angefangen mit dem Klimahaus Bremerhaven, über das Technikmuseum in Chemnitz bis zuletzt im Besucherbergwerk Rammelsberg. Mehr als 250.000 Besuchenden der Museen hatten die Möglichkeit, sich interaktiv mit der Energiewende auseinanderzusetzen und herauszufinden, welcher Energiewende-Typ sie sind. [Anmerkung: In den meisten Fällen wurden lediglich die Zahl der Besuchenden der Museen und nicht der Ausstellung dezidiert. Die Zahlen für Goslar fehlen noch.]

Der Open-Access-Themenband „Öffentliche Kommunikation über die Energiewende: Zwischen Wissenschaftskommunikation und politischem Diskurs“ dokumentiert die Konzeption der Wanderausstellung in all ihren Facetten. Darüber hinaus enthält der Band Informationen zum erreichten Publikum und seinen Einstellungen.

Das Bild zeigt ein Exponat der Ausstellung: eine Kabine, mit der Aufschrift
© Theresia Reinhold

Wer wurde erreicht und welchen Einfluss haben politische Entwicklungen?

In den ersten sieben Ausstellungssorten wurden einige der Besuchenden befragt. Dabei zeigte sich, dass die Ausstellung primär Personen mit hoher formaler Bildung erreichen konnte, die bereits ein Interesse an der Energiewende und eine positive Grundeinstellung mitbringen. Die große Mehrheit hatte jedoch nicht beruflich mit der Energiewende zu tun.

Eine Untersuchung ergab außerdem, dass die Teilnehmenden nach dem Ausstellungsbesuch ein höheres subjektives Wissen über die Energiewende hatten. Zudem nahmen sie sowohl die individuelle als auch die gesellschaftliche Relevanz des Themas als dringlicher wahr. Nach dem Besuch hatte das Publikum außerdem ein stärkeres Vertrauen in das Gelingen der Energiewende.

Im Themenband gehen die Forschenden auch auf mögliche Gründe für die positive Bewertung der Ausstellung ein und zeigen Wünsche und Bedarfe des Publikums auf. Damit können verantwortliche Personen Maßnahmen für zukünftige Ausstellungen zu abstrakten Themen ableiten.

Ein weiterer Evaluationsschwerpunkt des Themenbandes ist die Frage, welchen Einfluss politische Entwicklungen und gesellschaftliche Debatten während des Projektzeitraums auf die Effekte der Ausstellung hatten. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine veränderte auch die Debatte und den Blick auf Erneuerbare Energien. Energiepolitische Fragen gewannen an Bedeutung. Es verschob sich jedoch der Fokus der Debatte: Themen wie Versorgungssicherheit, Energieabhängigkeit und deren Konsequenzen für die Zukunft der Energiewende rückten in den Vordergrund.

Praktische Erfahrungen verbunden mit sozialwissenschaftlichen Analysen

Im Themenband sind Beiträge aller Projektpartner vereint. Neben Artikeln aus dem Fachgebiet Empirische Medienforschung und Politische Kommunikation der TU Ilmenau finden sich auch mehrere Beiträge von Mitarbeitenden von Wissenschaft im Dialog (WiD) sowie von den Projektpartnern Klimahaus Bremerhaven, LWL Museum Henrichshütte, Fraunhofer UMSICHT und DECHEMA. Hierdurch verbinden sich praktische Erfahrungen aus einem interdisziplinären Großprojekt mit fundierten sozialwissenschaftlichen Analysen. Damit richtet sich der Themenband an alle Aktiven und Interessierten der Energie- und Klimakommunikation sowie Museen, Journalistinnen und Journalisten und Politikerinnen und Politiker. 

Die gewonnenen Erkenntnisse über Möglichkeiten und Grenzen der Energiewende-Kommunikation stehen kostenlos als Open Access zur Verfügung.